Wochenende in Villa de Leyva

– 11 Tage nach der Ankunft –

Mein erstes Wochenende in Kolumbien habe ich im schönen Villa de Leyva verbracht, ein Dorf, eine Autostunde von Tunja entfernt. Die Nachbarn meiner Gastfamilie waren das Wochenende in Villa de Leyva, da der Vater der Familie früher dort gewohnt hat und deshalb nur dort wählen kann (wenn ich das richtig verstanden habe). In ganz Kolumbien sind momentan Wahlen. Überall auf der Straße sieht man Wahlplakate und es gibt viele politische Veranstaltungen. In Villa war es deshalb auch ziemlich voll.
Die Familie hat netterweise Angelika, eine Mitfreiwillige, und mich eingeladen mit ihnen mitzukommen. Das ist die typische Gastfreundlichkeit in Kolumbien, die ich schon in den ersten Tagen erfahren durfte.

So saßen wir am Samstag um 6:00 (nach kolumbianischer Pünktlichkeit 6:30) zu sechst im Auto. Angelika, die beiden Söhne der Nachbarn und ich, zu viert auf der Rückbank des Autos und das war ziemlich kuschelig.

Villa de Leyva liegt ungefähr 800 Meter tiefer als Tunja und deshalb ist es dort auch ein wenig wärmer. Den Weg, den man runterfahren muss, gleicht den Serpentinen und wenn man zu viert auf der Rückbank sitzt, dann kann das schon mal sehr, sehr eng werden in den Kurven.

Mein erster Eindruck von Villa war sehr positiv. Es ist ein wunderschönes, ruhiges Dorf im Kolonialstil und auf jeden Fall eine Abwechslung von Tunja.

Wir haben, als wir ankamen, unsere Taschen abgestellt. Die Familie hat in Villa drei oder vier Häuser. Warum es so viele sind, habe ich noch nicht verstanden.
In dem einen haben wir immer gegessen und in dem anderen geschlafen.

Jeden Samstag ist auf einem kleinen Platz Markt mit gaaaanz viel Gemüse, Obst, Gewürzen und vielen anderen Dingen.
Das war eine tolle Erfahrung!

Ich war total begeistert und kam aus dem Staunen nicht mehr raus. So viele verschiedene Früchte, habe ich noch nie auf einem Platz gesehen. Damit ihr einen kleinen Eindruck bekommt, zeige ich euch vier Fotos von den vielen, die ich gemacht habe.

Wir haben viele Sachen probiert, zum Beispiel kleine Pflaumen, die sehr fruchtig schmecken und superleckere Miniaprikosen. Auf dem Markt gab es einfach alles, was man jemals an Früchten und Gemüse gesehen hat und noch mehr!

Anschließend sind Angelika und ich mit dem älteren Sohn, der 16 Jahre alt und ein Schüler von Angelika ist, rumgelaufen und haben ein wenig die Gegend erkundigt.

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Nach unserem Rundgang sind wir in das „Esshaus“ gegangen und haben eine kleine siesta gemacht. Es ist ziemlich anstrengend in Villa herumzulaufen, da man auf steinigen Gassen läuft.

Nach dem Mittagessen sind wir mit dem Auto zu einem Freund der Familie gefahren. Der hat ein kleines Weinfeld und wir durften seinen selbstkreirten Fruchtwein kosten, der sehr gut war. Sein Vater kommt aus Deutschland und er konnte ein bisschen deutsch sprechen. Auf dem Grundstück waren mindestens zehn Katzen und eine Babykatze hat es mir besonders angetan.

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Wir sind dann zum „Terracottahaus“ gefahren. Der Architekt Octavio Mendoza baute dieses Haus angeblich, um selbst darin zu wohnen. Deshalb ist es von innen auch komplett ausgestattet – von der Toilette bis zum Bett. Immer mehr Menschen interessierten sich jedoch dafür und fotografierten, dass beeindruckende Gebäude, sodass er es Touristen zugänglich machte.
Manchmal treten wohl sogar Musikgruppen auf dem Dach des Hauses auf.
Ihr solltet unbedingt vorbeischauen, wenn ihr in Villa de Leyva seid.

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Angelika und ich sind alleine reingegangen und ein gerade mal vierjähriger Junge hat uns herumgeführt, was uns sehr gewundert hat. Zum Schluss hat er uns gefragt: Tienen plata? (Habt ihr Geld?). Schließlich ist nichts umsonst. Seine Tour sollte entlohnt werden.

Wir sind dann weitergefahren nach Raquira. Ein sehr kleines und wunderschön buntes Dorf in der Nähe von Villa. Unterwegs haben wir arepas gegessen. Das sind kleine, runde Maisfladen mit Käse gefüllt.

Als wir zurückgefahren sind, war es schon dunkel und im „Schlafhaus“ waren noch einige andere Menschen. Ein kleines Mädchen hatte an dem Tag Geburtstag und es gab Torte.

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Hier scheint es Tradition zu sein, dass alle, die im gleichen Monat geboren sind, die Kerze zusammen auspusten und es waren insgesamt sechs Leute, die im Oktober Geburtstag haben. Der ältere Sohn ist sogar am gleichen Tag, wie ich geboren.
Damit wurde mir wieder einmal gezeigt, wie schnell man in einen Kreis in Kolumbien aufgenommen wird. Alle haben darauf bestanden, dass ich die Kerze mitauspuste.

Abends sind wir nochmal zur Plaza Principal und die sieht abends mit den Lichtern sehr schön aus. Leider sind die Fotos davon nicht so gut geworden. Angelika und ich wurden noch zum Pizza essen eingeladen, was total nett war!

Am nächsten Tag sind wir nach dem Frühstück wieder zur Plaza, weil dort die Wahlen stattfanden. Es waren viele Menschen dort.

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Nach dem Mittagessen sind wir zurück nach Tunja. Die Familie wollte früh fahren, weil es in den Dörfern nach Wahlen ganz schön feo (hässlich) werden kann, wenn die Menschen mit dem Wahlergebnis nicht zufrieden sind.

Zurück in Tunja waren wir noch auf einem kleinen Jahrmarkt, der momentan auf der Plaza de Nieves ist und wurden zu kolumbianischen Spezialitäten und Getränken eingeladen.

Abends ließen wir das gelungene Wochenende bei meinen Nachbarn mit Filme gucken ausklingen.

In der Familie habe ich mich sehr wohl gefühlt und ich hatte das erste Mal in Kolumbien ein richtiges Familiengefühl. Die Eltern sind jünger als meine Gasteltern und haben zum Beispiel im Auto laut Radio gehört und dazu gesungen. Es war total lustig mit ihnen. Ich werde hoffentlich nachmittags mal bei ihnen ein bisschen Zeit verbringen können.

Es war also ein erlebnisreiches Wochenende und ich bin sehr feliz, dass die Familie so nett ist und uns mitgenommen hat. So konnte ich direkt an meinem ersten Wochenende viel erleben. Angi und ich wollen einen Kuchen für sie backen, um uns wenigstens ein bisschen zu revanchieren.

Weisheit des Tages: Villa de Leyva ist ein sehenswerter Ort in Kolumbien!

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