Drei Jahre Kolumbien und so viel Heimat

– 87 Tage nach der Ankunft –

Vor drei Tagen, am 17. Oktober, war ein für mich ganz besonderer Tag. Genau drei Jahre ist es her, dass ich das erste Mal kolumbianischen Boden betreten habe. Wenn ich das so schreibe, erschreckt es mich ein wenig, wie viel Zeit doch vergangen ist! Drei Jahre ist dieses Land schon ein ganz besonderer Teil von mir. Ich bin so glücklich, dass ich damals meine Vorurteile und Bedenken überwunden habe und mich dazu entschieden habe, die große Reise anzutreten.

In drei Jahren passiert viel! Ich habe mich sehr entwickelt und Kolumbien und die Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, hatten großen Anteil daran. Auch im Land hat sich viel verändert. Seit 2016 ist der Friedensvertrag mit der FARC in Kraft getreten und Kolumbien entwickelt sich immer weiter. Seit drei Jahren verfolge ich mit, was in diesem einzigartigen Land passiert und das, obwohl ich vorher nicht einmal genau wusste, wo in Südamerika es liegt und was dort eigentlich passiert.

Ich bin demasiado feliz (unglaublich glücklich), dass ich die Möglichkeit habe, nochmal für längere Zeit hier zu leben und eine andere Seite Kolumbiens kennenzulernen. Durch das Auslandssemester habe ich sehr viel über die Politik, Gesellschaft und Strukturen in Kolumbien gelernt. Ich genieße das Leben in Bogotá sehr und jetzt, wo die Halbzeit anfängt (nein!), kommt die Panik auf. Nur noch drei Monate und ich muss Kolumbien schon wieder verlassen 😦

Vor zwei Jahren als mein Freiwilligendienst zu Ende war, habe ich mir fest vorgenommen nochmal in Kolumbien zu leben und diesen Traum erfülle ich mir gerade. Nach drei Monaten in Bogotá bin ich voll und ganz angekommen. Trotzdem habe ich nach wie vor eine starke Bindung zu Tunja. Kolumbianer*innen schmunzeln immer, wenn ich erzähle, dass ich in Tunja gelebt habe. „Tunja? Warum ausgerechnet Tunja?“
Mindestens einmal im Monat verlasse ich über das Wochenende Bogotá, um nach zwei Stunden grüner Bergfahrt in der Kleinstadt anzukommen und ein Stück zuhause zu fühlen. Jedes Mal, wenn ich nach Tunja fahre, spüre ich Freude im ganzen Körper. Wenn ich dann meine Gastfamilie und meine Nachbarn in die Arme schließe, merke ich ganz tief in mir drin: das ist ein Stück Heimat. Ich bin sehr dankbar, dass meine Gastfamilie mich jedes Mal wieder mit los brazos abiertos (offenen Armen) empfängt.

In dieser Stadt habe ich so viel erlebt, so viel gelernt. Auch wenn es vielleicht nicht viel zu tun gibt, genieße ich die Zeit mit Freunden und Familie, komme runter vom bogotaner Großstadtchaos, laufe durch die steilen Straßen im centro und frage mich, wie oft ich diese Wege schon gegangen bin. Hier treffe ich auf Straßenhunde, die sich in Gruppen versammeln und neugierig zu mir schauen. Nicht selten laufe ich jemandem über den Weg, den ich kenne und lange nicht mehr gesehen habe. In der ruhigen Stadt ist immer Zeit für einen Plausch. In Tunja kann ich meine Batterien wieder voll aufladen. Der Spaziergang in die umliegenden Berge mit Aussicht auf die ganze Stadt darf dabei nicht fehlen.

Vor einiger Zeit hätte ich niemals geglaubt, dass ich wieder hier sein würde und so oft ich möchte zu meiner zweiten Heimat fahren kann. So richtig bewusst wird mir das, wenn ich in der Küche sitze, während meine Gastmutter am rumwerkeln ist und wir uns über alles Mögliche unterhalten. Dann wird mir bewusst, das ist das, wonach du dich die letzten zwei Jahre gesehnt hast. Wieder in die zweite Heimat kommen und das Leben genießen.

Jedes Mal, wenn ich in Kolumbien bin, frage ich mich, was es ist, das mich so glücklich macht. Hier fällt es mir leicht unbeschwert zu leben. Es ist so leicht, eine gute Zeit zu haben mit Freunden oder auch alleine. Warum kann ich mich in Deutschland nicht so glücklich fühlen? Was für Hintergedanken beschäftigen mich dort, die mich davon abhalten?
Das Lebensgefühl hier ist ein anderes für mich. Die alegría (Lebensfreude) und Sorglosigkeit, die ich mit jedem Atemzug einzuatmen scheine. In Deutschland scheint jedes kleinste Problem grave (schwerwiegend). Ich kann mir wohl nicht vorstellen, für immer hier zu bleiben, aber es sind Erfahrungen, die ich hier mache, die mir zeigen, wie man das Leben genießt.
Es ist wahrscheinlich das, was mich an Kolumbien und seinen Menschen am meisten beeindruckt und fasziniert. Kolumbien ist gewiss weit davon entfernt perfekt zu funktionieren (was ist schon perfekt?), aber trotzdem packt mich die Lebenseinstellung jedes Mal, die ich dann auf mich anwende. Das ist wohl der Grund, warum ich mich in Kolumbien, vor allem in Tunja, immer zuhause fühlen werde.

Weisheit des Tages: in drei Jahren ist mir Kolumbien sehr ans Herz gewachsen und ich habe unheimlich viel über mich und mein Leben gelernt.

Studierendenstreik in ganz Kolumbien

– 82 Tage nach der Ankunft –

In Kolumbien ist gerade einiges los! Mit dem Präsidentschaftswechsel Anfang August habe ich das auch nicht anders erwartet. Kolumbiens Studierende versammelten sich am Mittwoch, den 10. Oktober auf den Straßen, um für ihr Recht auf Bildung zu kämpfen.
Iván Duque, der neue rechts-konservative Präsident Kolumbiens, möchte mit dem Geld da sparen, wo es am Nötigsten ist: im Bildungsbereich. Mir erschien es schon immer ein wenig merkwürdig, dass Studierene der öffentlichen Universitäten einen höheren Semesterbeitrag zahlen, als ich in vier Semestern insgesamt. Während an den Privatunis ein bestimmter Betrag für die carreras (Studiengänge) festgelegt ist, richtet sich dieser an staatlichen Unis nach den Gehältern der Eltern. So kann ein Semester an der Nacional auch schonmal 3.000.000 Pesos (ca. 900€) kosten. Erstaunt zeigen sich die Studierenden dann, wenn ich ihnen erzähle, dass ein Semester an meiner Uni rund 250€ inklusive Transport, der in Deutschland teuer ist, kostet.

Duque, escuche, el pueblo despertó
Agarre el presupuesto y denos financiación

Duque, hör zu, das Dorf ist aufgewacht
Klammer dich an den Finanzplan und gib uns die Finanzierung

Da fängt es also schon an. Die vermeintlich öffentlichen Universitäten sind nicht kostenlos und somit nicht allen zugänglich. Nun stelle man sich einmal vor, dass diese Universitäten auch noch privatisiert werden. Studieren wäre somit ein Privileg und kein Recht, wie es selbstverständlich sein sollte.

Si los derechos que yo tengo no los tienen los demás, no son derechos, son privilegios.

Wenn die Rechte, die ich habe, andere Personen nicht haben, dann sind es keine Rechte, sondern Privilegien.

 

Viva la U ¡Viva!
Viva la U ¡Viva!
Viva la Universidad
No la dejés ¡No! No la dejés ¡No!
No la dejés privatizar

Es lebe die Uni! Lebe!
Es lebe die Uni! Lebe!
Es lebe die Universität
Lasst sie nicht, nein, Lasst sie nicht, nein
Lasst sie nicht privatisieren

Um einmal zu den Fakten zu kommen: momentan fehlen 3,2 Billionen Pesos (ca. 1.000.000.000) für Gehälter von Angestellten der öffentlichen Universitäten und 15 Billionen Pesos in der Infrastruktur, das sind satte 4.500.000.000€. An der Nacional merkt man, dass dieses Geld fehlt. Viele Gebäude sind schon seit Jahren einsturzgefährdet, das Gebäude der Bellas Artes ist schon lange gesperrt und das von Architektur existiert gar nicht erst. Duque möchte das Geld lieber in die Verteidigung des Landes stecken und kürzt leichterhands in der Bildung. Hängen bleibt das an den Mitarbeitenden und Studierenden der öffentlichen Universitäten. Ich habe viele Kolumbianer*innen kennengelernt, die nicht studieren können, da sie sich keine private Uni leisten können und es mittlerweile nahezu unmöglich ist an die beliebten Plätze der öffentlichen Unis heranzukommen. Beispiel: in Diseño Gráfico gibt es pro Semester 30 Plätze für die Besten des Landes. Auf diese 30 Plätze bewerben sich Tausende.

¿Y dónde está La Nacho?, ¿La Nacho dónde está?

La Nacho está en las calles haciéndose escuchar

Und wo ist die Nacho? Die Nacho, wo ist sie?

Die Nacho ist in den Straßen und macht sich hörbar

Für das Jahr 2019 sollen alle öffentlichen Universitäten insgesamt 4,3 Billionen Pesos erhalten. Studierende fordern jedoch 15 Billionen Pesos, um das Defizit der letzten 20 Jahre aufzuholen.  Seit 1992 erhalten die Universitäten nur einen Teil von dem, was sie eigentlich bräuchten. Unis sehen die Privatisierung als bald einzige Möglichkeit sich zu finanzieren. Die Studierendenzahlen sanken dadurch in den letzten 26 Jahren stark.

Schon in den letzten Wochen sammelten sich die Studierenden um die marcha vorzubereiten. Vor einer Woche traf sich meine Fakultät – facultad de artes – um die Forderungen durchzugehen und klar zu formulieren. Überall wurden Plakate gebastelt und T-Shirts per Hand bedruckt, die am Mittwoch getragen wurden.

32 öffentliche und 28 private Universitäten nahmen teil an der marcha. Kolumbienweit gingen 450.000 Menschen auf die Straßen, um für ihr Recht auf Bildung zu kämpfen. In Cali, Medellín, sogar Tunja, Bogotá und vielen weiteren Metropolen versammelten sich Studierende, Dozierende und weitere Betroffene auf den Straßen. Um 11 Uhr versammelten sich die Studierenden der Nacional mit Schildern, Plakaten und Sprüchen auf dem Hauptplatz, der Plaza Che, um dann vier Stunden bis ins Centro auf die Plaza Bolívar zu marschieren. Straßen wurden gesperrt und keine transmilenio fuhr mehr in dem Zeitraum. Je näher wir dem Centro kamen, auf desto mehr Universitäten stießen wir, unter anderem auch die großen Privatunis der Stadt Los Andes und die Javeriana, die die öffentlichen Unis im Protest unterstützen. Über uns kreiste ein News-Hubschrauber, der die Dimensionen der Menschenmasse sichtbar machte.

¿Quién es usted? – Soy estudiante
No lo escuché – Soy estudiante
Una vez más – Soy estudiante

Soy, soy estudiante, yo quiero estudiar, para cambiar la sociedad, ¡Vamo‘ a la lucha!

Wer bist du? – Ich bin Student*in
Ich habe es nicht gehört – Ich bin Student*in
Noch einmal – Ich bin Student*in

Ich, ich bin Student*in, ich will studieren, um die Gesellschaft zu verändern, wir gehen in den Kampf!

Ich lasse einige Fotos sprechen:

Auf der Plaza Bolívar angekommen, schon mit Halsschmerzen und steifen Beinen, hörten wir eine Rede des linksliberalen Präsidentschaftskandidaten und Zweitplatzierten Gustavo Petro. Ich habe mich sehr gefreut ihn en vivo (live) zu sehen und zu hören. Gleichzeitig macht es mich auch traurig, da ich mich frage, was gewesen wäre, wenn er die Präsidentschaftswahl gewonnen hätte.

Ich war erstaunt, wie ruhig die Demonstration ablief. Ich habe mit Steinen und anderen Dingen gerechnet, aber es war sehr friedlich. Merkwürdigerweise haben wir die Polizei kaum zu Gesicht bekommen. Ob die sich bei den Massen nicht getraut haben? Ich habe von keinem Zwischenfall mitbekommen. In den Tagen danach habe ich jedoch bei Facebook gesehen, wie sich Fake News über das Event verbreiteten. Linksextreme Gruppen, die gewaltvoll gegen die Regierung aufhetzen. Bilder von Vandalismus und vermummten Gruppen, die mit papabombas durch die Straßen ziehen. Plakate, die die Legalisierung von Drogen fordern. Von all dem habe ich NICHTS mitbekommen und ich bin mir nicht mal sicher, ob die Fotos überhaupt aktuell waren. Es schockierte mich, wie Rechts-Konservative so etwas Wichtiges, wie die #marchaporlaeducación (Marsch für die Bildung) zu so etwas missbrauchen können.

Auch wenn ich mich nur für ein Semester an der Nacional befinde, wollte ich Solidarität zeigen und die Studierenden unterstützen. In einem Land wie Deutschland, in dem die öffentliche Bildung gesichert ist, musste ich mir nie Sorgen um meine Bildung machen. Ich war sehr berührt, wieviele Menschen mit so viel Herz dabei waren und dachte darüber nach, warum in Deutschland so etwas in dem Ausmaß nicht passiert. Nach einigen Überlegungen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass wir eben doch sehr privilegiert leben. Bildung ist ein Grundrecht in Deutschland, das (fast) allen zur Verfügung steht. Ich habe bisher von keiner Uni in Deutschland gehört, die starke finanzielle Schwierigkeiten hat, da die Universitäten sehr vom Staat unterstützt werden. Auch wenn einiges verbessert werden könnte, sehen viele nicht den Grund dafür auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. So schlimm ist es dann doch wieder nicht.

Bis zum 21. Oktober gehen die Unis mindestens in den Streik. Bis dahin haben wir keinen Unterricht. Möglich ist, dass der Streik verlängert wird. Das kann bedeuten, dass die fehlenden Wochen an das Semesterende im Dezember oder Januar rangehangen werden. Ich bin gespannt, wie sich alles entwickelt!

Weisheit des Tages: Bildung ist ein Grundrecht, das jedem Menschen dieser Welt zustehen sollte. In Kolumbien tun die Studierenden, Dozierenden und anderen Mitarbeitenden gerade alles daran, dass das in diesem Land umgesetzt wird.

Traumurlaub auf San Andrés und Providencia

– 67 Tage nach der Ankunft –

Ein spontaner Traumurlaub in der Karibik. Auch das gehört wohl zum Auslandssemester in Kolumbien dazu. Wie angekündigt kommt heute ein Beitrag über meine fünftägige Reise auf die Inseln San Andrés und Providencia während der semana universitaria.
Nicht umsonst ist das Wasser um San Andrés und Providencia als el mar de los siete colores bekannt. Von dunkelblau über türkisfarben bis hellblau sahen wir die schönsten Färbungen des Wasser. Weißer, feiner Sand unter den Füßen, über uns ein Meer aus dichten Palmen an den Kokosnüsse wachsen, aus denen wir Coco Loco tranken während um uns das Rauschen des Meeres und die sanften Beats der Reggae-Musik zu hören waren. Pastellfarbene Sonnenuntergänge mit gefärbten Wolken, die aussahen als wären sie gemalt.

San Andrés ist wohl eines der beliebtesten Reiseorte Kolumbiens und obwohl während meines Freiwilligendienstes fast alle Freiwillige die Insel besuchten, bin ich nie dazu gekommen. Eine Insel mitten in der Karibik, 12 Kilometer lang und 3 Kilometer breit mit ca. 72.000 Einwohner*innen. Obwohl San Andrés nur 190 Kilometer von der nicaraguanischen Küste entfernt ist, gehört es zu dem 770 Kilometer entferntem Kolumbien, worauf viele Kolumbianer*innen sehr stolz sind. Die Inselbewohner*innen sehen das meist jedoch anders und einige sehnen sich nach Unabhängigkeit von Kolumbien. 90 Kilometer nördlich von San Andrés befinden sich Providencia und Santa Catalina, zwei weitere Inseln, die wesentlich weniger touristisch sind. Dort verbrachten wir den Großteil unserer Zeit und genossen einige Tage die Natur und Vielfalt der Karibik.

Von Bogotá aus flog ich am Sonntag zwei Stunden nach San Andrés und wurde von der tropischen Hitze erschlagen, auch wenn es schon 20 Uhr war, als ich ankam. Um nach San Andrés zu reisen, muss man eine „Tourist Card“ kaufen, die 110.000 Pesospro Person kostet (ca. 33€). Spannend wurde es, als ich nach einer überteuerten Taxifahrt (Taxi fahren auf San Andrés ist sehr teuer!) vor einem verlassenen Haus stand, das mein Hostel sein sollte. Nach langem Hin und Her stellte sich heraus, dass das Hostel umgezogen war, worüber ich allerdings nicht informiert wurde. Von einer kolumbianischen Familie, die mir bei der Suche half, wurde ich eingeladen bei ihnen zu übernachten, falls ich das Hostel nicht finden würde – also auch auf der Insel kolumbianische Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft.
Am nächsten Tag fuhr ich mit der Fähre drei Stunden nach Providencia, wo ich schon von meinen drei Mitreisenden erwartet wurde. Ich kannte zwar vor der Reise nur eine Person von den dreien und hatte sie erst eine Woche vorher über eine Freundin kennengelernt, aber genau das sind die spontanen, schönen Erlebnisse, die das Leben aufregender machen. Zu viert waren wir ein tolles Team und verstanden uns von Anfang an.

Untergekommen sind wir in einem Haus, das seit einer Woche ein Hostel werden sollte, dementsprechend waren wir die ersten Gäste und wurden sehr herzlich aufgenommen. Das Haus, direkt am Wasser, bot eine wunderschöne Aussicht. Kaum zu glauben, dass die Landschaften von Windowshintergrundbildern existieren.

Wir waren uns alle einig, dass wir keinen kompletten Strandurlaub, sondern auch die Umgebung erkunden wollten.
Am ersten Tag unternahmen wir eine Bootstour, bei der wir an verschiedenen Stellen schnorchelten. Obwohl das Wasser mehrere Meter tief war, konnte man bis auf den Grund sehen, so klar war es. Vom Boot ins Wasser gesprungen, konnte ich es nicht glauben, dass ich mich mitten im Ozean befand, das nächste Festland mehrere hundert Kilometer entfernt. Unter Wasser schwammen wir zwischen bunten Fischen und verschiedenen, bemusterten Korallen. Die Unterwasserwelt wirkte wie eine Parallelwelt auf mich und ich wollte gar nicht mehr auftauchen. Sogar eine Schildkröte habe ich gesehen, der ich ewig in ihrer natürlichen Lebensraum hätte zuschauen können.
Von einer kleinen Insel aus sahen wir das Meer von oben. Die verschiedenen Blautöne wirkten fast surreal.

Am nächsten Morgen standen wir um 3 Uhr auf, um den Sonnenaufgang von El Pico aus zu sehen, dem höchsten Punkt (360 Meter) mitten auf der Insel. Mit der hohen Luftfeuchtigkeit, der sich schon um die Uhrzeit aufbauenden Hitze und dem Aufsteigen des Berges, waren wir klitschnass als wir nach eineinhalb Stunden oben ankamen. Was wir zu sehen bekamen, war unglaublich. Um uns herum grüne, bewachsene Hügel. Weiter entfernt konnte man das türkisfarbene Wasser erkennen. Die Insel von oben ist traumhaft schön. Mich hätte es nicht gewundert auf einmal Langhälse und andere Dinosaurier zu sehen. Das Szenario erinnerte mich sehr an „Jurassic World“ oder „In einem Land vor unserer Zeit“.
Überrascht wurden wir vom starken Regen, der einmal über die Insel zog und uns noch nasser hinterließ. Das war jedoch schnell vergessen, als die Sonne sich zeigte.

Am selben Tag mieteten wir ein Golfcar mit dem wir den restlichen Tag Beach hoppten. So konnten wir die vier verschiedenen Strände der Insel erkunden und nach einem starken Coco Loco vom Barmann Rocko, wirkte alles noch surrealer und schöner. Von an Palmen befestigten Schaukeln sprangen wir ins klare Wasser. Während wir dann im Wasser lagen, den (viel zu starken) Coco Loco aus einer Kokosnuss schlürften und die Reggae-Beats im Hintergrund zuhörten, wurde uns bewusst, was für ein Privileg es ist, einen solchen Moment erleben zu dürfen.

Am letzten Tag auf Providencia liefen wir über die Brücke nach Santa Catalina, einer weiteren Insel. Dort verbrachten wir die letzten Stunden, eh wir mit der Fähre, die dieses Mal starken Wellengang hatte (was sich auf die Stimmung und das Wohlbefinden der Mitreisenden auswirkte) nach San Andrés fuhren.

In San Andrés ließen wir den gelungen, erlebnisreichen Kurzurlaub mit einem Abend im Restaurant und am Strand ausklingen, eh wir am nächsten Tag zurück nach Bogotá reisten.
Ich hätte noch einige Tage im karibischen Paradies bleiben können. Angekommen in Bogotá merkte ich jedoch, wie sehr sich die kolumbianische Großstadt schon nach zuhause anfühlt, so dass ich gar nicht so traurig über die Rückkehr war.
Das Wochenende verbrachte ich noch in Tunja mit meiner Gastfamilie und einigen Freunden, die ich lange schon nicht mehr gesehen hatte.

Es war ein traumhafter Kurzurlaub, den ich in freundlicher Gesellschaft mit tollen neuen Eindrücken und Erfahrungen erlebte. Dem karibischen Flair kann sich wohl niemand entziehen 😀

Weisheit des Tages: Spontanität ist eine der aufregendsten Dinge im Leben. Durch Offenheit in vielen Situationen haben sich mir schon so tolle Gelegenheiten geboten!