Ein Jahr Südamerika, zwei Semester im Ausland

-377 Tage in Südamerika –
– 158 Tage in Chile –

Heute ist es so weit! Nach über einem Jahr in Südamerika und zwei absolvierten Auslandssemestern in Bogotá und Santiago de Chile, fliege ich heute zurück nach Berlin. Was ich fühle, lässt sich dieses Mal klar definieren, im Gegensatz zu meiner Abreise aus Kolumbien vor drei Jahren. Innerlich brodle ich vor Freude und Aufregung. Ich bin froh, dass ich jetzt zurückkehre.


Weitere Puzzleteil kommen zu meiner Welt hinzu. In einem Jahr habe ich unglaublich viel gelernt. Ich habe angefangen mich für Themen zu interessieren, die vorher weit von meiner Realität entfernt waren. Sowohl in Kolumbien, als auch in Chile habe ich die studentischen Bewegungen miterlebt und darüber berichtet.

Es war ein Jahr mit vielen Auf und Abs. Seit ich 2016 Kolumbien verließ, hatte ich mir in den Kopf gesetzt für längere Zeit an meinen Sehnsuchtsort zurückzukehren. Als ich im Juni 2018 (sehr spontan) Bescheid bekam, ich könne an der Universidad Nacional de Colombia in Bogotá studieren, realisierte ich, dass mein Traum wahr wurde. Sechs Monate verbrachte ich in Kolumbiens Hauptstadt, lernte viele, interessante Menschen kennen, schloss Freundschaften, besuchte regelmäßig  meine kolumbianische Familie und Freunde in Tunja und beschäftigte mich intensiver mit der Politik des Landes. Mit der Idee nach Kolumbien zu kommen, um es ein bisschen für mich abzuschließen, verliebte ich mich mehr ins Land und seine Menschen. Wieder denke ich, ich würde gerne längere Zeit dort leben.
In Chile wollte ich studieren, um ein anderes südamerikanisches Land intensiver kennenzulernen. Mein Gedanke war auch, dass ich mich durch das Kennenlernen eines anderen Landes ein bisschen von Kolumbien „entfernen“ könnte. Wie gut das geklappt hat, könnt ihr in den Blogposts der letzten Wochen lesen. Chile ist nicht mein Ort um glücklich zu sein und das ist okay. Umso mehr Interesse habe ich nun andere südamerikanische Länder intensiver kennenzulernen.
Neben kleinen Reisen in Kolumbien und Chile, reiste ich in dem vergangenen Jahr nach Ecuador, Brasilien, Argentinien und Uruguay. Vor allem Uruguay verzauberte mich! Vielleicht wird es mein nächster Wohnort in Südamerika?


Wie fühlt es sich nun an nach über einem Jahr Südamerika zurück nach Deutschland zu reisen?

Kann ich das mit einem Wort beantworten? Unmöglich.
Zu viel ist passiert. Es fühlt sich an als hätte ich zehn Jahre in einem Jahr gelebt.
Bogotá ist schon so lange her! Es war eine tolle Zeit. Hat sich so gut angefühlt. Der Moment als ich aus dem Flieger stieg und mir der typische Geruch entgegenkam. Kolumbien ist mein Sehnsuchtsort. Ich hatte Bedenken. Vielleicht träumte ich einer Zeit nach, die bereits vergangen war. Vielleicht würde es mir beim zweiten Mal nicht so gut gefallen. Nach kurzer Zeit baute ich mir ein Leben in Bogotá auf und wusste, ich könnte hier noch länger bleiben.
Es war eine aufregende Zeit! Alleine wohnen, wieder Spanisch sprechen, Schritte in die Selbstständigkeit, in die Politik und viele andere Themen. Ich weiß jetzt schon, eines Tages will ich wieder zurück!

Wie ich zu Chile stehe, ist noch sehr frisch und ich habe es oft beschrieben. Chile ist anders. Ich habe gekämpft und so lange die Tage gezählt. Jetzt ist es vorbei und ich bin froh es hinter mir zu lassen.

Immer wieder wurde mir gesagt, wie mutig ich sei, dass ich mich traue, was ich mache. Dabei habe ich das gemacht, was ich wollte und was ich für richtig hielt. Dinge haben sich ergeben und ich bin Wegen gefolgt, die sich mit der Zeit auftaten. Es gab die eine oder andere Komplikation, aber ich habe nicht aufgegeben. Mir macht es Spaß immer Neues kennenzulernen, aus meiner Komfortzone zu kommen und an meine Grenzen zu stoßen, um mich selber besser kennenzulernen. Ich will so viel wie möglich davon sehen und erkunden. Alles ausprobieren und immer Veränderungen erleben – das macht mir Spaß. Immer neu, immer anders gefällt mir. Ich möchte nicht auf der gleichen Stelle laufen, sondern immer weiter und in alle Ecken, um alles zu erkunden. Dinge ausprobieren, die ich schon immer mal machen wollte. An Demos teilnehmen, auf spanisch studieren, spanische Texte schreiben und lesen, Grafikdesign und Journalismus studieren, alleine reisen, ein Leben ohne jemanden zu kennen in einer fremden Stadt aufzubauen, an die eigenen Grenzen kommen, um dann zu bemerken, dass ich stärker bin, als ich gedacht hätte.

Unglaublich. So schnell vergeht die Zeit und gleichzeitig so langsam.
Eine paradoxe Aussage, in der sich alle mal wiederfinden.
Die Zeit fliegt hin und ich fliege mit ihr.
Vor über einem Jahr ging mein Abenteuer los. Vor über einem Jahr stieg ich in Berlin in den Flieger mit einem Gepäckstück und so viel Neugierde, Wünschen und Abenteuerlust. In einem Jahr ist viel passiert. Ich habe so viel gelernt, gesehen, erlebt, viele Menschen kennengelernt, mich von einigen entfernt. Ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrungen machen durfte, dass ich die Möglichkeit hatte gleich in zwei südamerikanischen Ländern zu studieren und so viel über Geschichte, Gesellschaft und Politik in Kolumbien und Chile zu lernen.

377 ereignisreiche Tage. In diesem Moment spüre ich Glück. Ich bin stolz auf mich und das, was ich in der Zeit gelernt und erreicht habe. Ich fühle mich erfüllt und bin unendlich dankbar.
Die letzten Monate waren manchmal hart. Ich bin erleichtert, dass nun die Zeit gekommen ist, zu gehen und Chile hinter mir zu lassen. Ein großes Kapitel geht zu Ende und ich bin bereit für das nächste! Südamerika wird mir fehlen. Über ein Jahr hier und auf einmal ist es ganz weit weg. Ich werde es vermissen Spanisch zu sprechen und die vielfältigen Kulturen, Tänze, Menschen und Musik zu erleben. Die kolumbianische Leichtigkeit lebt noch in mir, aber ich weiß nicht, wie lange ich sie mit nach Deutschland nehmen kann.
Ein bisschen besorgt bin ich zurückzukommen. Deutschland entwickelt sich gerade in eine Richtung, die mir Angst macht. Vielleicht hat sich sehr viel verändert. Vielleicht ist Vieles so geblieben, wie es vor einem Jahr war. Ich werde es herausfinden und euch weiterhin berichten.

Ich gehe mit positiven Gefühlen. Ich weiß, in Berlin warten Menschen auf mich, bei denen ich mich fallen lassen kann. Ich freue mich unendlich alle wiederzusehen (und in meinem eigenen Bett zu schlafen). Das Erlebte werde ich nie vergessen.

Vor einem Jahr

Weisheit des Tages: Nach zwei Jahren, die ich in den letzten vier Jahren in Südamerika lebte, merke ich wie es ein Teil meiner Identität wurde. Sprache, Musik, Kultur und Menschen begleiten mich seit längerer Zeit und ich weiß, dass ein Teil von mir immer Südamerika (insbesondere Kolumbien) vermissen wird. Aber ich werde wiederkommen!

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