Julumbien in Perú und Bolivia (2)

Buenas buenas,

heute kommt direkt der zweite Teil der Südamerikareise. Ich versuche wieder mich kurz zu fassen und die Fotos sprechen zu lassen, von denen es noch mehr als genug gibt.
Es lohnt sich den ersten Teil anzusehen.
Wer mag, kann den Text überspringen und sich nur die Fotos ansehen.

Salzterrassen von Maras und Moray

Nach dem Machu Picchu ging es weiter nach Urubamba , wo wir uns zwei Attraktionen angesehen haben, die recht unbekannt sind, aber sehr empfehlenswert!
Die Salzterrassen von Maras ist die höchstgelegene Salzfarm der Welt und besteht aus mehr als 3.000 Becken. Zu Inkazeiten wurden sie angelegt und sind noch heute in Betrieb. Mittlerweile können sich peruanische Familien Salzbecken mieten, um dann selbst das Salz zu ernten und zu verkaufen.
Aus den Becken, die über eine große Bewässerungsanlage verfügen, entstehen fünf Salzsorten mit unterschiedlicher Qualität (teilweise nicht essbar), die man vor Ort kaufen kann. Während man zwischen den Terrassen entlang läuft, sieht man Menschen arbeiten, die das Salz aus den Becken in große Säcke umfüllen. Teilweise waren ganze Familien da, um zu helfen. Ich konnte es mir natürlich nicht entgehen lassen, das salzige Wasser mit der Fingerspitze zu probieren (bah!).
Die Weite und das Farbenreichtum waren sehr beeidruckend; so weit man sah, umringten uns die Terrassen. Allerdings sollen sie normalerweise schneeweiß sein. Es hatte den Tag, bevor wir kamen geregenet und deshalb waren sie in verschiedensten Brauntönen. Uns gefiel das aber sehr gut. Ein wunderschöner Ort!

Die Terrassen von Moray wurden vor vielen Jahren von den Inkas zur Landwirtschaft genutzt. Das war sehr praktisch, denn auf jeder Terrasse konnte unterschiedliche Nahrung angebaut werden. Wenn sie bewässert wurden, floss das Wasser in den niedrigsten Kreis, wo sich die Produkte befanden, die am meisten Wasser benötigten.
Mich erinnerte die Form der Terrassen in Moray sehr an eine Avocado.

Letzte Stationen vor Bolivien und der Unterschied zwischen Lama und Alpaca

Bevor wir dann die peruanische Grenze verließen, um das Abenteuer in Bolivien fortzuführen, passierten wir noch kleine Orte, eh wir die letzte Nacht in der größeren Stadt Puno verbrachten. Dort erklärte man uns auf Nachfrage, dass viele Häuser unverputzt seien, da man mehr Steuern bezahlen muss, wenn man ein fertiges Haus besitzt. Wenn es noch schön verziert ist mit Wandbemalungen, wird es noch teurer. Deshalb sieht man viele kahle Häuserfassaden in Perú (Kolumbien und Bolivien, ist das da auch so?). Das muss man sich mal vorstellen!

Allgemein hatten wir mehrere mehrstündige (bis zu 12 Stunden) Busfahrten, um von einem Ort zum nächsten zu gelangen. Ich fand das gar nicht so schlimm, weil man die Landschaft genießen kann, die an einem vorbeizieht. Jede Stunde, so fühlt es sich an, verändert sie sich und zwischendurch werden auch viele Stops gemacht, um an den touristischen Shops was zu kaufen, Aussichtspunkte zu genießen oder Fotos mit Babyalpacas zu schießen.

An der Stelle möchte ich erwähnen, dass es Unterschiede zwischen Lamas und Alpacas gibt. Alpacas sind kleiner und haben viel mehr Wolle, weshalb sie dicker und flauschiger aussehen. Es gibt noch einige Unterschiede mehr, aber ganz so leicht fiel es mir nicht, sie auseinander zuhalten. Neben Alpacas und Lamas gibt es dann noch Vikunjas und Guanakos. Vikunjas sind klein und zierlich. Ihre Wolle ist das teuerste Verarbeitungsmaterial der Kleidungsindustrie!

Ein Dorf namens Andahuaylillas, in dem wir hielten, um uns die sixtinische Kapelle Perús anzusehen, erinnerte mich sehr an das pueblo Barichara, welches ich mit Freunden in Kolumbien einmal besuchte. Dort haben übrigens Martin und Natalia geheiratet. In dem Moment habe ich dann Heimweh nach Kolumbien bekommen.

Das echte Copacabana und Titicacasee

Nach Puno betraten wir das erste Mal Bolivien. Der Grenzübergang war ein kleiner Steinbogen und diese Grenze sollten wir noch ein weiteres Mal übertreten müssen – dazu später mehr.
Unsere erste Bolivienstation war Copcabana am Titicacasee, 3.800 Meter Höhe und kalt. Warte… Copacabana und Bolivien? Viele denken vielleicht an Rio de Janeiro, Sonne und Samba bei diesem Namen, aber der bekannte Stadtteil in Rio wurde nach dieser kleinen, unscheinbaren Stadt am Titicacasee benannt. In der Kathedrale der Stadt ist die heilige Madonna – Jungfrau von Copacabana – die Wunder vollbrachte. Nach einer Legende (die jetzt zu lang zum Aufschreiben wäre) wurde nach ihr dann auch das Stadtteil in Rio de Janeiro benannt.
Noch heute wird die Madonna verehrt. Autos aus vielen Ländern Südamerikas fahren in die kleine Stadt, um ihr neu gekauftes Auto segnen zu lassen. Neu gekauft, heißt übrigens nicht neu, denn auch auf Boliviens Straßen fahren Autos, die in Deutschland vom TÜV nicht zugelassen wären. Diese „Neuheiten“ werden bunt geschmückt und dann vor der großen Kathedrale gesegnet.

In Copacabana sind wir ein wenig durch den Ort gelaufen und unser Guide, ein super lustiger, aktiver Kubaner mit einer Liebe für Berlin, trieb uns auf einen mirador (Aussichtspunkt), von wo aus man einen tollen Blick auf den Lago de Titicaca hatte.
Am Abend sah ich einen der schönsten Sonnenuntergang, die ich je gesehen habe und verliebte mich sofort in diesen magischen Ort.

Am nächsten Tag ging es mit dem Boot zur Isla del Sol (Sonneninsel), auf der wir eine Nacht verbrachten. Die Bootsfahrt war amüsant, als unser kubanischer Guide Fausto sich über mich (da sein Englisch nicht so gut war und ich übersetzen konnte) mit meinen Eltern über den Sozialismus und die DDR unterhalten haben. Er kannte viele Kindersendungen aus der DDR und es wurde verglichen, wieviele Ähnlichkeiten es zwischen Kuba und der DDR gab. Ich war total erstaunt!

Die Sonneninsel ist ein Ort der Ruhe mit wunderschöner Aussicht auf das Festland und den endlos scheinenden See. Wir sind hochgelaufen auf die Spitze der Insel und waren uns am Ende einig, dass sich der anstrengende Aufstieg gelohnt hat. Hier fanden wir ein weiteres Stück des Paradieses.
Unser Hotel auf der Insel war sehr umweltfreundlich. Die Heizung der Hütten, in den wir schliefen, war ein schwarzer „Raum“. Dort knallte über den Tag die Sonne rein und das war der einzige Wärmespender. In der Nacht konnte ich aufgrund der Höhe (über 3.800 Meter), daraus folgenden Atemproblemen und der Kälte gar nicht schlafen, doch dadurch bemerkte ich den klaren, unglaublich schönen Sternenhimmel, der sich im See spiegelte.

Ich möchte noch kurz etwas loswerden: als ich ungefähr in der 7. oder 9. Klasse war, behandelten wir im Spanischunterricht den Titicacasee. Damals fand ich nur den Namen lustig, aber hätte niemals gedacht, dass ich diesen Ort jemals sehen würde. Wir lernten etwas über die berühmten Strohinseln auf denen die Menschen angeblich wohnen. Erst dort lernte ich, dass das reine Touristenattraktion ist und die Einheimischen diese Gaukelei gar nicht gut finden.
Für mich war es etwas ganz Besonderes, diesen Ort, den ich vor Jahren im Spanischunterricht kennengelernt habe, nun in Echt zu sehen!

Umweg über Perú, El Alto und La Paz

Nach unserer paradisischen Inselerfahrung sollte es weitergehen in die Metropolen El Alto und La Paz. Obwohl in La Paz der Regierungssitz ist, ist Sucre die Hauptstadt Boliviens.
Als wir noch auf der Insel waren, erfuhren wir, dass es politische Streiks auf der einzigen Straße nach La Paz gab und wir nicht durchkommen würden. Nach langem Hin und Her mussten wir zum kleinen Grenzübergang zurück, Bolivien verlassen, mit einem Bus in Perú zum nächsten Grenzübergang, um eine andere Straße nach La Paz zu nehmen. Das ganze brachte uns neben viel Warten, vier Stempel im Reisepass an einem Tag 😀

Bolivien hat ungefähr 11 Millionen Einwohner und gilt als das ärmste Land Südamerikas. Die meisten Einwohner leben auf dem Land. Bolivien ist in meinen Augen ein noch sehr traditionelles Land, in dem viele Menschen indigene Sprachen, wie zum Beispiel Quechua und Aymara, sprechen. Wir haben einiges über die Geschichte, Traditionen und vielfältige Kultur und Religion Boliviens gelernt, die sehr interessant ist, aber hier den Rahmen sprengen würde.

El Alto und La Paz bilden mit zusammen rund 1,6 Millionen Einwohnern den bevölkerungsreichsten Ballungsraum Bolviens. Leider haben wir nicht so viel von den Städten gesehen, aber die Fahrt mit der Hochseilbahn, durch die die beiden Städte verbunden sind, brachte uns einen Einblick.
Ich würde sehr gerne nochmal längere Zeit in einer der beiden Städte verbringen, um mir einen Eindruck zu machen.
Unser Hotel lag in der Nähe des „Hexenviertels“. Ein bisschen unheimlich war das schon, denn an zahlreichen Ständen hingen tote Babylamas, die man für wenig Geld kaufen konnte. Unser Guide erklärte uns, dass der August der Monat der pachamama ist. Die totgeborenen Lamas werden bis zum August aufbewahrt, um dann der Mutter Erde zu opfern. Mich beruhigt es, zu wissen, dass die Lamas nicht extra dafür getötet werden, denn ein Lama ist sehr teuer in Bolivien und das würde man nicht umbringen.
Die an die Inkas angelehnte Religion, an die viele Menschen in Perú und Bolivien glauben, ist sehr interessant. Sie haben keine Götter, wie im Christentum, sondern glauben an bestimmte Naturphänomene. Ich werde mich mal mehr dazu belesen.

Mein persönliches Highlight: Salar de Uyuni

Vom Flughafen El Alto sind wir nach Uyuni geflogen. Unser neuer Guide holte uns vom Flughafen ab und wir merkten sofort, dass „Herr Aturo“ (wie er sich vorstellte) ein wenig anders war. Ein kleiner zierlicher Bolivianer, der seine viertägige Tour auf deutsch halten wollte, als er mitbekam woher wir kommen. Was mich anfangs sehr störte, später konnte ich auch darüber lachen, war seine machohafte-frauenverachtende Einstellung. Meine Mutter und mich sprach er grundsätzlich nicht an, sondern nur meinen Vater und „Herrn Tino“. Es gab einige Momente, wo ich mich wirklich zusammenreißen musste, beispielsweise, als er mir erklärte, dass „hübsche Fräulein“ nicht Archäologie studieren dürfe, weil das nur für Männer ist.
Naja… mir wurde bewusst, dass das Frauenbild eben doch nicht überall so ist, wie in Deutschland.

Nichtsdestotrotz war die letzte Tour, die wir unternahmen, unvergesslich! Ich habe Orte gesehen, von denen ich niemals gedacht hatte, dass sie existieren würden. Wenn ich jetzt an die Schönheit der Natur zurückdenke, auf die wir gestoßen sind, bekomme ich ein warmes Gefühl und würde am liebsten direkt nochmal dahin.
Vier Tage land sind wir mit einem Truck durch die Salzwüste Boliviens, stets auf 4.000 Meter Höhe oder mehr, haben in einsamen Salzhotels geschlafen und eine Lagune, schöner als die andere gesehen.

Zuerst waren wir bei einem Eisenbahnfriedhof, auf dem wir rumklettern konnten, wie wir wollten. Danach ging es weiter in die über 10.000 km² große Salzwüste.

Die Salzwüste ist bei Touristen besonders beliebt, weil man großartige Fotos dort machen kann.
Hier seht ihr ein paar (es fehlt das Video, wo Tino als Riese meine Eltern und mich als Winzlinge jagt 😀 ):

Wir waren in der Trockenzeit da und es ist unglaublich diese riesigen, schneeartigen Weiten zu sehen. Auf dem spinnennetzartigem Grund findet man auch einige heiße Quellen.
Anfangs waren wir noch mit mehreren Gruppen am Startort, wo ein Rondell mit Flaggen aus aller Welt war, später schien es, als hätten wir die gesamte Wüste für uns alleine.
In der Regenzeigt stehen bis zu 13 cm Wasser auf dem Salz und die Berge rundum spiegeln sich. Das haben wir an einigen Stellen gesehen.

Wir haben in den letzten Tagen so viel gesehen, dass ich am besten gar nicht viel dazu schreibe, sondern euch einfach die besten Fotos zeige.
Einen Vormittag verbrachten wir auf der Kakteeninsel Isla Incahuasi. Der Ort wirkte fast schon surreal. Mitten in der weißen Landschaft steigt ein Hügel empor, voll mit stacheligen Kakteen.

 

An einer Stelle stießen wir auf Schienen, die nach Chile führten. Dort wurde uns bewusst, dass hinter den umliegenden Bergen und Vulkanen ganz nah Chile und Argentienen liegen.

Ich möchte noch kurz sagen, dass es während der gesamten Tour seeehr kalt war. Nachts konnten wir meist nicht schlafen, aufgrund der Kälte (Hotels waren nie beheizt, weil es meist nur bis 18 Uhr Strom gab) und der Höhe, die uns beim Atmen zu schaffen machte.

Beeindruckend waren auch die Geysire – brodelnde, heiße Quellen. Vor zwei Jahren ist eine Chilenin dort umgekommen, als sie in die Quellen reingefallen ist.

Ich war sehr erstaunt, dass auf über 4.000 Metern Höhe tausende von Flamingos leben. Mit den roten, blauen und türkisfarbenen Lagunen, der Berglandschaft und der unbekannten Flora, die wir gesehen haben, war das ein einzigartiges Naturspiel. Teilweise dachte ich wirklich, wir würden auf eine Leinwand gucken.

Am Ende fanden wir noch eingie Steinformationen, die mich sehr an die USA erinnert haben.

Ihr merkt, ich bin wirklich fasziniert von den Orten, die wir in Perú und Bolivien gesehen haben! Es gibt so viele Plätze auf dieser Welt, von denen man gar nicht weiß, dass sie existieren und ich bin sehr dankbar, dass ich diese Reise machen durfte!
Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben und euch gefallen Bilder und Text.
Ich merke, dass ich schon wieder Fernweh habe und die nächste Südamerikareise gar nicht abwarten kann!

Weisheit des Tages (heute mal in Manu Chaos Worten):

„Je öfter ich in Südamerika bin, desto mehr habe ich das Bedürfnis wieder hinzufahren. Eigentlich bräuchte man vier Leben allein um Südamerika zu erkunden!“

Julumbien in Perú und Bolivia (1)

Hallo ihr Lieben,

ich habe mir einen Tag Zeit genommen, um euch von meiner unglaublichen Reise im August durch Südamerika zu erzählen.
Achtung! Ich warne euch jetzt schon vor dem vermutlich längsten, aber auch vielfältigsten Beitrag, den ich je geschrieben habe. Wem das zu viel Text und Informationen sind, kann einfach die vielen, wunderschönen Bilder genießen. Viel Spaß!

Tunja

In meinem letzten Beitrag habe ich erwähnt, dass ich Ende Juli (am ersten Semesterferienwochenende) aufgrund der Reise mit meiner Familie schon eine Woche vorher nach Tunja gefahren bin. In der einen kurzen, dennoch erlebnisreichen Woche, habe ich viel Zeit mit meinen Familien und Freunden verbracht. Ich war in meinen Schulen und bin ein Tag mit meiner Nachbarin nach Bogotá gefahren, da ich mir die Uni dort angeguckt habe. Dazu mehr in einem anderen Beitrag.
Am Wochenende hatte ich Martin und Natalia bei der Auswahl der Freiwilligen geholfen. Ab Januar werden das erste Mal Freiwillige aus Kolumbien nach Deutschland gehen und ich bin sehr stolz, dass die beiden dieses Projekt umsetzen! Mehr zum Süd-Nord-Projekt hier.

Am gleichen Tag bin ich mit meinen Nachbarn zu den cascadas in der Nähe von Villa de Leyva gefahren. Wir hatten wie immer viel Spaß und mit meinem Geschick bin ich ausnahmsweise mal nicht ins Wasser gefallen. Später waren wir noch in Villa de Leyva. Da liefen schon die Vorbereitungen für die fiesta del viento y de las cometas (Wind- und Drachenfest), das jedes Jahr stattfindet. Ich habe es leider immer verpasst und diesmal konnte ich ein wenig miterleben, wieviele bunte Drachen in der Luft umherschweben.
Am letzten Tag flossen wie immer viele Tränen, als ich mich auf den Weg nach Bogotá gemacht habe, um nach Líma zu fliegen.
Damals wusste ich noch nicht, dass der Abschied nur für kurze Zeit sein würde 😀

 

 

 

Lima

Es war schon komisch, mich mit meiner Familie auf dem Flughafen in Lima zu treffen!
Vor über einem Jahr war ich bereits für zwei Wochen in Perú mit einigen Freunden. Einige Stationen unserer Reise hatte ich also bereits besucht, aber man lernt ja nie alles kennen. Genauso war es in Lima.
Wir hatten zwei Tage in der Hauptstadt. Von den rund 31 Millionen Einwohnern in Perú leben 10 Millionen in Lima, also jeder Dritte! Die Stadt ist unglaublich groß!
Das bemerkten wir unter anderem am Verkehr. In Lima vergeht wohl nie ein Tag ohne Stau. Einen Abend wollten wir aus Tradition zum Hard Rock Cafe und saßen eineinhalb Stunden im Taxi, eh wir ankamen (und bezahlten trotzdem weniger als 10€).

 

 

 

Ich muss sagen, Lima ist nicht unbedingt meine Lieblingsstadt, aber natürlich kenne ich sie auch nicht gut genug. Es gibt einige schöne Orte, die sehr empfehlenswert sind, beispielsweise die Steilküste mit dem eingebauten Einkaufszentrum und dem parque del amor. Diesen erreicht man, wenn man durch das lebendige Viertel Miraflores geht. Damals hatten wir dort auch unser Hostel und nun das Hotel. Der Plaza de Armas ist der wunderschöne farbenreiche Platz, geschmückt mit vielen Palmen. Der Regierungspalast nimmt die komplette Nordseite ein und rechts von ihm ist die riesige catedral de Lima. Am letzten Tag unserer Reise, bevor wir nach Deutschland zurückgeflogen sind, hatten wir noch einen Tag in Lima, den wir im Künstlerviertel Barranco verbracht haben. Viele bunte Häuser sind mit kunstreichen Graffitis besprüht und überall sind Stände, Grünflächen und Musiker.

Paracas, Islas Ballestas und Sandsurfen

Von Lima aus ging es mit dem Bus zwei Stunden weiter in den kleinen Ort Paracas, der einzige Ort, wo wir während der Reise mal den Bikini und kurze Hosen auspacken konnten. Ansonsten befanden wir uns immer hoch oben in den Anden und hatten kein Strand- und Badewetter, wie man sich das vielleicht vorstellt.
Paracas ist ein ruhiger Fischerort mit einer Strandpromenade. Von dort aus sind wir mit dem Boot zu den Islas Ballestas gefahren, einer Inselgruppe, die mit den Galapagos-Inseln verglichen wird, aufgrund ihres Artenreichtums. Die fischreiche Küste bietet zahlreichen Tieren, Seelöwen, Robben, Kormoranen, Pelikanen, Flamingos und sogar ca. 250 Humboldt-Pinguine, einen idealen Lebensraum.
Unsere Bootstour ging zwei Stunden und es war unglaublich, wieviele Vögel und andere Tiere wir gesehen haben!

 

 

 

Dazu möchte ich erwähnen, wie laut es zwischen den tausenden Vögeln war! Noch schlimmer war der Gestank. Alle sieben Jahre gehen für drei Monate 200 Arbeiter auf die Inseln um das guano von den Felsen abzukratzen. Das ist nichts anderes als Vogelkacke.  Diese wird eingesammelt und zu Dünger verarbeitet um dann ausschließlich in Perú verwendet zu werden. Es wird sehr gut bezahlt, ist aber auch ein anstrengender und gefährlicher Job.

Am nächsten Tag unternahmen wir eine kleine Wüstentour, wo uns viele Fossilien gezeigt wurden und wir einiges über den Ort lernten. Wir haben die wunderschöne Küste Paracas gesehen und ich habe jeden Moment genossen an diesem Ort.

 

 

 

Einer der Highlights der gesamten Reise war das Sandsurfen!
Zuerst hatten wir eine turbulente Buggytour, die eher einer Achterbahn glich. Mit mindestens 100 km/h sauste unser Fahrer und Guide mit einem klapprigen Gestell die steilen Sanddünen entlang. Das Beste: wir waren komplett alleine in der Wüste, soweit man blicken konnte! An einer Stelle hielten wir an und konnten so oft wir wollten (oft), die Sanddünen auf Brettern (am Ende auch ohne Bretter) runterrasen. Das war Adrenalin pur!

 

 

 

Nazca und Flug über die Nazca-Linien

Nach diesem Erlebnis fuhren wir weiter nach Nazca.
Nazca besteht praktisch aus einer großen Straße mit vielen touristischen Läden und dem typischen Plaza Prinzipal, an dem wir einen Tag einen Umzug gesehen haben. Wir sind weitervorgedrungen und auf einen lauten, chaotischen und typisch südamerikanischen mercado (Markt) gestoßen. Die Atmosphäre auf einem solchen Markt sollte man einmal erlebt haben! Mein kleiner Bruder fand es teilweise ein bisschen beängstigend oder bedrohlich. Alle Händler wollen ihre Ware loswerden und „schreien“ rum, überall ungewohnte Gerüche und zwischen Kartoffeln, Äpfeln und Mangos sieht man zahlreiche unbekannte Früchte. Die Fische und abgetrennten Hühnerbeine- und köpfe fand mein Bruder nicht so toll.

 

 

 

Der Grund, warum wir in Nazca waren, war allerdings nicht das kleine pueblo oder der mercado, sondern die mehr oder weniger bekannten Nazca-Linien.
Die Nazca-Linien wurden erst 1924 entdeckt und 1949 weltweit durch die Forschungen der Deutschen Maria Reiche bekannt. Es sind gerade, bis zu 20 km lange Linien, Dreiecke und trapezförmige Flächen auf über 500 km². Besonders sind die überdimensionalen Zeichnungen von Vögeln, Echsen und anderen Tieren. Durch die enorme Größe sind sie nur aus großer Entfernung zu erkennen, deshalb sind wir mit einem Miniflugzeug 30 Minuten darüber geflogen.
Man rätselt noch heute, wann und wie sie entstanden sind. Es gibt zahlreiche Theorien. Viele vermuten, dass sie von Außerirdischen geschaffen wurden, da es auch eine Darstellung gibt, die einem Marsmenschen ähneln.
Vermutlich handelt es sich jedoch um Abbildungen im Rahmen von Fruchtbarkeitsritualen, die zwischen 800 und 600 v. Chr. angelegt wurden.
Tino und ich haben den Flug nicht so gut in Erinnerung. Der Pilot lenkt das Flugzeug von einer Seite zur anderen in die Senkrechte (!) und uns wurde ziemlich schlecht. Aber es ist sehr beeindruckend diese mystischen, riesigen, geometrischen Zeichnungen aus der Höhe zu sehen!

 

 

 

Arequipa

Weiter ging es in die auf 2.300 Meter gelegene Stadt Arequipa, auch „weiße Stadt“ genannt. Ein wirklich schöner Ort mit einem eindrucksvollem Hauptplatz mit Kathedrale und dem Kloster mitten im Zentrum, das eine lange, interessante Geschichte hat.
Zu der Zeit, als wir da waren, gab es in ganz Perú viele fiestas und Umzüge. Wir haben spontan einen miterlebt und die Peruaner haben ihre gute Laune und auf uns übertragen. Zwischen verschiedenen Gruppen traditioneller Tänzer mit lauter Musik, gab es kunterbunte Kostüme und Wagen mit viel Essen und Trinken. Das wurde großzügig unter den Schauenden verteilt. Tino war entsetzt, als an einem Wagen tote, gehäutete Meerschweinchen hingen. Das Bild erspare ich euch lieber.

 

 

 

Colca-Canyon und Höhenkrankheit

Von Arequipa aus hatten wir eine zweitägige Tour zum Colca-Canyon gebucht. Das war für uns alle wohl die anstrengenste Zeit.
Was uns ein wenig zu schaffen gemacht hat, war die Höhenkrankheit. Ab einer gewissen Höhe kann es zu Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Atemnot, Schlafstörungen und Schwäche kommen.
Ich habe ein bisschen gehofft, dass ich da ich vorher in Tunja (2.800 Meter) war, keine Probleme bekommen würde, aber falsch gedacht. Jeder kann die Höhenkrankheit bekommen, unabhängig von Alter, Gewicht oder Gesundheits-/Fitnesszustand. Mir ging es schon in Arequipa nicht so gut und ich war eine zeitlang krank, allerdings denken wir, dass der Auslöser nicht die Höhenkrankheit war, da ich in der warmen Mittagssonne Schüttelfrost bekommen habe (und weitere Male) und das kein typisches Symptom ist.

Gegen die Höhenkrankheit wird geraten viel Coca-Tee oder -produkte zu sich zu nehmen. Das mag sich ein wenig komisch anhören, aber Coca hat eine sehr lange Tradition in vielen Ländern Südamerikas.
Coca-Blätter werden hier gekaut, im Tee getrunken oder zu Süßigkeiten verarbeitet. Das ist legal, denn die Blätter müssen chemisch weiterverarbeitet werden, eh die Droge Kokain entsteht. Angeblich sollen Coca-Blätter eine stärkende, heilende Wirkung haben. Wer weiß, vielleicht hat es mir ein bisschen geholfen.

Bevor es aber hoch hinausging (wir waren schon auf über 3.000 Metern), machten wir unter anderem Halt bei einer Alpaca-Herde. Mir ging es schon nicht so gut, aber trotzdem ist mir ein großartiges Selfie mit einem Alpaca gelungen!
Der höchste Punkt, den wir erreichten war auf knapp 5.000 Meter Höhe. Ich habe mich wie im Vakuum gefühlt und kam nur sehr langsam voran. Ohne Atem saß ich da und habe die Steinformationen und aktiven Vulkane um mich herum bewundert. Rumlaufen war nicht mehr drin. Aber die Aussicht war toll!

 

 

 

Auf der Colca-Canyon-Tour haben wir viele Landschaften gesehen. Die Inka-Terrassen und der Canyon waren dabei die Highlights. Über dem Canyon gleiten die Andenkondore, Geier, die eine Flugspanne von drei Metern haben. Die Schlucht des Colca-Canyon ist mit über 3.000 Metern die zweittiefste der Welt. Grand-Canynon ist (nur) 1.800 Meter tief. Mit den eleganten, schon majestätischen Kondoren ist das ein unglaubliches Naturspiel.
Ich war aber ein wenig erschrocken, wieviele Touristen dort waren. Auf einen Kondor gab es ca. zehn Menschen und deshalb konnte ich den Moment nicht so sehr genießen, wie ich es gerne gemacht hätte.
Eh wir am Canyon waren, standen wir ewig mit Hunderten von Autos und Bussen auf der Straße, die zum Aussichtspunkt führte. Als wir in Perú waren, gab es mehrere Lehrerstreiks, die wir in einigen Städten erlebt haben. Lehrer hatten sich auf die Landstraße gestellt, so dass keiner mehr vorbei kam. Nach vielen Diskussionen konnte man sie jedoch überzeugen, dass sie die Straßen freimachen für die Touristen.
Trotzalldem war es ein beeindruckendes Erlebnis ins Colca-Tal zu fahren!

 

 

 

Cusco und Machu Picchu

Von Cusco habe ich leider nicht viel mitbekommen. Cusco ist die letzte große Stadt vor der Sensation Machu Picchu und liegt auf 3.400 Meter Höhe. Sie erinnert mich ein wenig an Tunja mit den umliegenden Bergen und den Tiefen und Höhen der Stadt. Als ich letztes Jahr dort war, hatten wir eine schöne Zeit. Diesmal lag ich leider nur krank im Bett. Hier trotzdem ein paar Fotos:

 

 

Diesmal bestritten wir nicht den Inka-Trail, sondern sind mit dem Panoramazug nach Aguas Calientes gefahren, dem letzten Ort vor Machu Picchu.
Obwohl ich noch nicht wieder richtig gesund war, habe ich die zweistündige Tour mit unserem Guide mitgemacht und wieder viele spannende Dinge gelernt über die Inka-Kultur, deren Bauweise und Religion. Die Inkas verehrten die pacha mama (Mutter Erde) und richteten ihre Lebensweise nach ihr. Ich könnte einen extra Beitrag darüber schreiben, weil ich das Thema sehr spannend finde.
Auf dem Machu Picchu war es wieder magisch! Unbeschreiblich ist die Atmosphäre, wenn dünne und dichte Nebelschwaden sich um die Bergkuppeln legen. Jeder Augenblick ist einzigartig, da die Wolken ständig in Bewegung sind und neue Bilder schaffen.

 

 

Nach einem magischen und anstrengenden Tag sind wir noch eine Nacht in Agua Calientes geblieben, eh es mit dem Zug zurück ging.
Hier noch ein paar Fotos aus dem pueblo:

 

 

So, wer es bis hierhin geschafft hat… Herzlichen Glückwunsch 😀
Das war ungefähr die Hälfte unserer Peru-Bolivien-Reise. Es ist doch schwieriger, als gedacht, drei Wochen voller Erlebnisse zusammenzufassen. Also geht es bald mit einem zweiten Teil weiter, denn es fehlen noch jede Menge Fotos und wunderschöne Orte, die ich mit euch teilen möchte (Titicacasee, Salzwüste, bunte Lagunen)!

Weisheit des Tages: Man wird ein Land niemals komplett kennenlernen! Aber man kann versuchen, so viel, wie möglich mitzunehmen und zu erleben.