Wochenende in Villa de Leyva

– 11 Tage nach der Ankunft –

Mein erstes Wochenende in Kolumbien habe ich im schönen Villa de Leyva verbracht, ein Dorf, eine Autostunde von Tunja entfernt. Die Nachbarn meiner Gastfamilie waren das Wochenende in Villa de Leyva, da der Vater der Familie früher dort gewohnt hat und deshalb nur dort wählen kann (wenn ich das richtig verstanden habe). In ganz Kolumbien sind momentan Wahlen. Überall auf der Straße sieht man Wahlplakate und es gibt viele politische Veranstaltungen. In Villa war es deshalb auch ziemlich voll.
Die Familie hat netterweise Angelika, eine Mitfreiwillige, und mich eingeladen mit ihnen mitzukommen. Das ist die typische Gastfreundlichkeit in Kolumbien, die ich schon in den ersten Tagen erfahren durfte.

So saßen wir am Samstag um 6:00 (nach kolumbianischer Pünktlichkeit 6:30) zu sechst im Auto. Angelika, die beiden Söhne der Nachbarn und ich, zu viert auf der Rückbank des Autos und das war ziemlich kuschelig.

Villa de Leyva liegt ungefähr 800 Meter tiefer als Tunja und deshalb ist es dort auch ein wenig wärmer. Den Weg, den man runterfahren muss, gleicht den Serpentinen und wenn man zu viert auf der Rückbank sitzt, dann kann das schon mal sehr, sehr eng werden in den Kurven.

Mein erster Eindruck von Villa war sehr positiv. Es ist ein wunderschönes, ruhiges Dorf im Kolonialstil und auf jeden Fall eine Abwechslung von Tunja.

Wir haben, als wir ankamen, unsere Taschen abgestellt. Die Familie hat in Villa drei oder vier Häuser. Warum es so viele sind, habe ich noch nicht verstanden.
In dem einen haben wir immer gegessen und in dem anderen geschlafen.

Jeden Samstag ist auf einem kleinen Platz Markt mit gaaaanz viel Gemüse, Obst, Gewürzen und vielen anderen Dingen.
Das war eine tolle Erfahrung!

Ich war total begeistert und kam aus dem Staunen nicht mehr raus. So viele verschiedene Früchte, habe ich noch nie auf einem Platz gesehen. Damit ihr einen kleinen Eindruck bekommt, zeige ich euch vier Fotos von den vielen, die ich gemacht habe.

Wir haben viele Sachen probiert, zum Beispiel kleine Pflaumen, die sehr fruchtig schmecken und superleckere Miniaprikosen. Auf dem Markt gab es einfach alles, was man jemals an Früchten und Gemüse gesehen hat und noch mehr!

Anschließend sind Angelika und ich mit dem älteren Sohn, der 16 Jahre alt und ein Schüler von Angelika ist, rumgelaufen und haben ein wenig die Gegend erkundigt.

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Nach unserem Rundgang sind wir in das „Esshaus“ gegangen und haben eine kleine siesta gemacht. Es ist ziemlich anstrengend in Villa herumzulaufen, da man auf steinigen Gassen läuft.

Nach dem Mittagessen sind wir mit dem Auto zu einem Freund der Familie gefahren. Der hat ein kleines Weinfeld und wir durften seinen selbstkreirten Fruchtwein kosten, der sehr gut war. Sein Vater kommt aus Deutschland und er konnte ein bisschen deutsch sprechen. Auf dem Grundstück waren mindestens zehn Katzen und eine Babykatze hat es mir besonders angetan.

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Wir sind dann zum „Terracottahaus“ gefahren. Der Architekt Octavio Mendoza baute dieses Haus angeblich, um selbst darin zu wohnen. Deshalb ist es von innen auch komplett ausgestattet – von der Toilette bis zum Bett. Immer mehr Menschen interessierten sich jedoch dafür und fotografierten, dass beeindruckende Gebäude, sodass er es Touristen zugänglich machte.
Manchmal treten wohl sogar Musikgruppen auf dem Dach des Hauses auf.
Ihr solltet unbedingt vorbeischauen, wenn ihr in Villa de Leyva seid.

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Angelika und ich sind alleine reingegangen und ein gerade mal vierjähriger Junge hat uns herumgeführt, was uns sehr gewundert hat. Zum Schluss hat er uns gefragt: Tienen plata? (Habt ihr Geld?). Schließlich ist nichts umsonst. Seine Tour sollte entlohnt werden.

Wir sind dann weitergefahren nach Raquira. Ein sehr kleines und wunderschön buntes Dorf in der Nähe von Villa. Unterwegs haben wir arepas gegessen. Das sind kleine, runde Maisfladen mit Käse gefüllt.

Als wir zurückgefahren sind, war es schon dunkel und im „Schlafhaus“ waren noch einige andere Menschen. Ein kleines Mädchen hatte an dem Tag Geburtstag und es gab Torte.

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Hier scheint es Tradition zu sein, dass alle, die im gleichen Monat geboren sind, die Kerze zusammen auspusten und es waren insgesamt sechs Leute, die im Oktober Geburtstag haben. Der ältere Sohn ist sogar am gleichen Tag, wie ich geboren.
Damit wurde mir wieder einmal gezeigt, wie schnell man in einen Kreis in Kolumbien aufgenommen wird. Alle haben darauf bestanden, dass ich die Kerze mitauspuste.

Abends sind wir nochmal zur Plaza Principal und die sieht abends mit den Lichtern sehr schön aus. Leider sind die Fotos davon nicht so gut geworden. Angelika und ich wurden noch zum Pizza essen eingeladen, was total nett war!

Am nächsten Tag sind wir nach dem Frühstück wieder zur Plaza, weil dort die Wahlen stattfanden. Es waren viele Menschen dort.

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Nach dem Mittagessen sind wir zurück nach Tunja. Die Familie wollte früh fahren, weil es in den Dörfern nach Wahlen ganz schön feo (hässlich) werden kann, wenn die Menschen mit dem Wahlergebnis nicht zufrieden sind.

Zurück in Tunja waren wir noch auf einem kleinen Jahrmarkt, der momentan auf der Plaza de Nieves ist und wurden zu kolumbianischen Spezialitäten und Getränken eingeladen.

Abends ließen wir das gelungene Wochenende bei meinen Nachbarn mit Filme gucken ausklingen.

In der Familie habe ich mich sehr wohl gefühlt und ich hatte das erste Mal in Kolumbien ein richtiges Familiengefühl. Die Eltern sind jünger als meine Gasteltern und haben zum Beispiel im Auto laut Radio gehört und dazu gesungen. Es war total lustig mit ihnen. Ich werde hoffentlich nachmittags mal bei ihnen ein bisschen Zeit verbringen können.

Es war also ein erlebnisreiches Wochenende und ich bin sehr feliz, dass die Familie so nett ist und uns mitgenommen hat. So konnte ich direkt an meinem ersten Wochenende viel erleben. Angi und ich wollen einen Kuchen für sie backen, um uns wenigstens ein bisschen zu revanchieren.

Weisheit des Tages: Villa de Leyva ist ein sehenswerter Ort in Kolumbien!

Der erste Schultag

– 5 Tage nach der Ankunft –

Der erste richtige Schultag ist geschafft!
Ich muss sagen, dass ich echt ein bisschen k.o. bin, obwohl ich heute noch nicht so viel gemacht habe.

Ich war gestern schon mit Natalia in der Schule um den Rektor und die anderen profes kennenzulernen.
Heute hat mich Natalia um 6:00 zuhause abgeholt und wir sind zusammen zur Schule Libertador Simon Bolivar gelaufen. Das Gute ist: ich laufe nur ungefähr 20 Minuten und kann mir das Busgeld sparen. Das Schlechte: es fühlt sich an, als müsste ich den Kilimandscharo besteigen…
Die Straßen sind sehr steil und teilweise fühlt es sich an, als ob man gleich nach hinten fällt. Ich werde mal Fotos von dem Weg machen.
Der Schulweg ist also ziemlich anstrengend. Hinzu kommt noch, dass die Luft in Tunja dünner ist, weil Tunja auf 2800 Meter Höhe in den Anden liegt und das macht sich beim Steile-Straßen-Laufen besonders bemerkbar, denn nach fünf Metern bin ich total außer Atem. Hoffentlich gewöhne ich mich an die morgendliche Sporteinheit.

Ich bin mit Natalia ungefähr 6:30 in der Schule angekommen und um 7:00 ging die erste Stunde für mich los. Bis dahin habe ich einige Lehrer kennengelernt und die zwei Praktikanten, die zurzeit hier arbeiten. Alle waren total nett und interessiert und so wie ich das mitbekommen habe, bin ich in einem lustigen Kollegium.

Noch bevor der Unterricht begonnen hat, wurde ich von allen auf dem Schulhof angestarrt und schnell hat sich eine kleine Traube um mich versammelt mit kleinen, ein wenig frechen Jungs. Sie haben mich viel gefragt und einer der ersten Fragen war auch, ob ich einen novio (Freund) habe.

Die erste Stunde war inglés (Englisch) in einer siebten Klasse mit einer Lehrerin, deren Namen ich leider nicht mehr weiß. Am Anfang der Stunde habe ich mich vorgestellt. Den Rest der Stunde saß ich vorne auf dem Lehrerstuhl und habe zugeguckt, wie die Lehrerin den Unterricht gestaltet hat. Zwischendurch ist sie auch mal rausgegangen und ich war mit einer Horde pubertärer Jungs alleine und wusste gar nicht richtig, was ich machen soll, weil jeder im Raum rumgelaufen ist und alle sich unterhalten haben. Die Lehrerin hat aber keine Aufgabe gestellt, deshalb habe ich gar nicht erst versucht mich gleich in der ersten Stunde unbeliebt zu machen, indem ich ihnen sage, dass sie leise sein sollen.

Nach dieser lauten Stunde gab es eine lange Pause, die fast zwei Stunden gedauert hat. In der saß ich mit einigen Lehrern in der Cafeteria und habe einen Tee getrunken und einige Fragen über Deutschland beantwortet. Ich wurde zum Beispiel gefragt, was denn die Hauptstadt von Deutschland sei.

Ich bin nach der Pause mit einer anderen Lehrerin mitgegangen. Sie hatte literatura in einer achten Klasse. Wieder nur Jungs… Alle waren ein bisschen älter und ich wurde noch ein bisschen mehr angestarrt, aber daran werde ich mich wohl gewöhnen müssen.
In der Stunde haben die Schüler mit Samsungtablets aus einem Schrank (ja, Kolumbien ist gar nicht so unterentwickelt!) gearbeitet und sollten auf Englisch ihre „goals for the future“ schreiben. Ich saß wieder nur rum und hab gesehen, wie die Lehrerin mit den ungefähr 40 Schülern überfordert war.
Am Ende konnte ich aber doch ein bisschen helfen, denn einige Schüler sind auch zu mir gekommen und haben gefragt, ob sie ihren Text richtig geschrieben haben oder was ein Wort auf Englisch bedeutet.

Mein kleiner Erfolgsmoment war in dem Augenblick, als ein Junge (der mich öfter um Hilfe gefragt hat) nachdem ich ihm etwas erklärt habe: gracias, profe gesagt hat. Das hat mich glücklich gemacht und vor allem habe ich mich nutzvoll gefühlt 🙂

Morgen werde ich mir meinen horario (Stundenplan) erstellen und dann läuft alles hoffentlich ein bisschen geregelter.
Leider sind in zwei Wochen schon Ferien für fast drei Monate, das heißt ich habe nicht viel Zeit, um mich einzugewöhnen 😦

In Zukunft würde ich auch gerne mal mit Mädchen zusammenarbeiten, weil ich denke, dass ich mit ihnen besser umgehen kann. Das war wohl Zufall, dass ich heute zwei reine Jungsklassen „abbekommen“ habe.

12:30 bin ich dann nachhause gelaufen, habe Mittag gegessen und dann erstmal eine Pause gemacht, denn ich war, obwohl ich noch nicht viel gemacht habe, sehr erschöpft.

Weisheit des Tages: Klassen in Deutschland erscheinen mir auf den ersten Eindruck kleiner, ein wenig disziplinierter und ruhiger 😀

Ankunft in Kolumbien und der erste Tag

– 2 Tage nach der Ankunft –

Hallo ihr Lieben!
Jetzt melde ich mich endlich aus Kolumbien.

Ich bin am Samstag gut in Tunja angekommen. Nach einem kurzen (2 Stunden nach Paris) und einem langen Flug (11 Stunden nach Bogotá), wurde ich am Flughafen von Natalia, unserer Mentorin, und zwei Mitfreiwilligen (Ronja und Pauline) abgeholt. Zusammen sind wir dann mit dem Auto nach Tunja gefahren, was drei Stunden gedauert hat, da es viel Stau gab. In Tunja ist es immer schon um 6 dunkel, also sind wir zwischen 19 und 20 Uhr im Dunklen angekommen, wo ich herzlich von meiner Gastfamilie empfangen wurde. Ich habe dann mein erstes kolumbianisches Abendessen gegessen (Reis mit Spiegelei und etwas Ähnliches wie Süßkartoffel), beziehungsweise runtergequält, weil ich vom Flugzeugessen noch so satt war 😀
Da ich noch an die deutsche Zeit gewöhnt war und es dort 4 Uhr morgens war, bin ich ziemlich müde um 21 Uhr ins Bett gegangen.

Tunja ist übrigens gar nicht so kalt, wie alle sagen. Ich schlafe zwar mit vier Decken, die aber alle ziemlich dünn sind. Aber vielleicht hatte ich die ersten Tage auch nur Glück mit dem Wetter.

Gestern am ersten richtigen Tag war ich schon um 5 wach (was in Deutschland 12 Uhr ist) und lag dann noch im Bett und habe über alles Mögliche nachgedacht und auch mit Familie und Freunden in Deutschland geschrieben. Ich habe mich irgendwie nicht wirklich wohl gefühlt und überlegt, ob ich hier wirklich ein ganzes Jahr glücklich sein kann.
Um 8 wurde ich dann zum Frühstück geholt und es gab Rührei mit (süßen) Brötchen und heißer Schokolade, die hier wie echte dunkle Schokolade, nur flüssig schmeckt. Nach kolumbianischer Art habe ich auch ein bisschen Käse reingetan, aber mich bisher nicht getraut viel Käse zu nehmen. Für uns hört sich das doch ein bisschen unappetitlich an.

Nach dem Frühstück habe ich meiner Gastfamilie die Gastgeschenke überreicht und sie haben sich alle sehr gefreut. Vor allem mein Gastbruder hat sich über das Deutschlandtrikot gefreut und es den ganzen Tag angehabt. Mithilfe des Fotoalbums, welches ich mit Bildern aus meinem Leben und Berlin erstellt habe, konnte ich ihnen ein bisschen was über mich erzählen.
Enttäuschenderweise klappt es mit dem Spanisch gar nicht gut 😦 Ich verstehe nur sehr wenig, weil meine Gastfamilie sehr schnell spricht, auch wenn ich sie bitte langsamer zu reden. Aber sie sagen mir immer „poco a poco“, was so viel bedeutet wie „Schritt für Schritt“ und das ich mir keine Sorgen machen soll.

Halb 11 (obwohl um 10 verabredet war :D) sind wir dann zu einer Messe gegangen. Ich habe viele Leute kennengelernt, von denen ich glaube, dass sie alle zu Familie gehören. Die Messe war ganz interessant, aber ich habe wieder nicht viel verstanden. Ich habe dort auch meinen ersten Tinto (kolumbianischer Kaffee) getrunken. Es hat mir aber nicht besonders gut geschmeckt. Zumal ich Kaffee sowieso nicht gerne mag und Tinto wie eine Mischung aus Kaffee und Tee schmeckt, also sehr wässrig ist.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das eine Beerdigung war, bei der wir waren, denn am Ende standen wir vor einem Grab und einige Menschen haben geweint, während ein Priester etwas gesagt hat. Ich habe mich aber auch nicht getraut zu fragen, denn meine Gastfamilie hat es mir bestimmt schon erzählt und ich habe es nur nicht verstanden.

Nach der Messe sind wir nachhause gefahren und ich habe mit meiner Gastschwester „Alles steht Kopf“ auf Spanisch geguckt (was ganz praktisch ist, weil ich den bei meinem Flug auf deutsch gesehen hatte), während sie Hausaufgaben gemacht hat.
Dann gab es Mittagessen (Reis, Nudeln mit Käse, Avocado, Salat mit Tomate und Zwiebel und platanos, was fritierte Kochbananenscheiben sind). Ich konnte endlich wieder super leckeren jugo de lulo (Lulosaft) trinken.

Halb vier kam Ronja zu mir und ich habe ihr mein Zimmer gezeigt. Dann sind wir zum Plaza de Bolivar gefahren mit dem autobús. Meine erste Busfahrt also und das war gar nicht so schlimm, wie ich mir das vorgestellt habe.
Am Plaza de Bolivar (ich würde euch gerne Bilder zeigen, aber irgendwie sind ALLE Bilder auf meinem Handy weg 😦 ) haben wir zwei andere Freiwillige getroffen und sind dann in ein Cafe gegangen, in das später dann noch zwei Freiwillige kamen. Es war schön, die Menschen vom Vorbereitungsseminar wiederzusehen und auch etwas deutsch zu sprechen zwischen dem ganzen Spanisch.

Frieda und ich sind dann noch kurz mit zu Ronja nachhause und ihre Familie war auch total nett und hat uns einen Obstsalat gegeben und wollte unbedingt, dass wir zum Essen bleiben. Schon am ersten Tag habe ich gemerkt, wie gastfreundlich und offen die Kolumbianer sind. Meine Gastmutter meinte zum Beispiel, dass sie jetzt eine neue Tochter hat und ich mich wie zuhause fühlen soll.

Ich bin dann mit Frieda zu mir gefahren, weil ich ein bisschen Angst hatte, dass ich mit meinem Orientierungssinn das Haus nicht finde 😀 Das hat aber gut geklappt. Frieda ist übrigens die Einzige, die bei mir in der Nähe wohnt. Der Rest wohnt wohl eher nördlich, aber ich habe auch noch überhaupt keinen Überblick über Tunja.

Frieda ist dann nachhause und es gab Abendessen. Danach sind noch die Nachbarn gekommen, mit denen ich mich total gut verstanden habe, weil sie auch mehr auf mein schlechtes Spanisch eingegangen sind 😀 Die Tochter der Nachbarn ist ungefähr in dem Alter von meiner Gastschwester. Die Nachbarn sind wohl sehr musikalisch und haben viele Instrumente (leider keine Geige 😦 ) und deshalb werden wir heute mal dahin gehen, damit ich mir das ansehen kann.

Also war gestern ein langer, ereignisreicher Tag, was sich gar nicht angefühlt hat, wie nur ein Tag.

Heute habe ich noch frei beziehungsweise kann die Zeit mit meinen Gasteltern verbringen (meine Gastgeschwister sind in der Schule) und am Mittwoch ist dann mein erster Schultag.

Weisheit des Tages: Niemals zu schnell urteilen!

(Ich hoffe, dass ich das Handybilderproblem noch lösen kann und ihr beim nächsten Mal nicht von so viel Text erschlagen werdet.)

Koffer packen für Tunja

Morgen ist der große Tag!! Morgen geht es endlich nach Kolumbien 🙂

Ich muss sagen, ich hatte noch nie in meinem Leben so ein verwirrendes, emotionales Chaos in meinem Kopf. Im einen Moment freue ich mich total auf Tunja und stelle mir vor, wie ich dort zur Schule gehe und neue Leute und Kolumbien kennenlerne, mit meiner Gastfamilie was unternehme und ganz viel erlebe. Im nächsten Moment kommen mir dann die Tränen, weil ich alles zurücklasse. Meine Familie, meine Freunde, meine gewohnte Umgebung, selbst meine Gewohnheiten. Ich musste noch nie so viele wichtige Menschen auf einmal für so lange Zeit verabschieden. Wie verabschiedet man sich auch, wenn man sich ein ganzes Jahr nicht sieht? „Bis dann“ kommt ein bisschen merkwürdig rüber. Dann denke ich mir auch wieder, dass ein Jahr gar nicht sooo lange ist und eigentlich bin ich ja auch nur knapp 10 Monate weg und man sagt ja, dass die Zeit total schnell vergehen wird.

Naja… das sind einige der Gedanken, die mir gerade im Kopf rumschwirren. Ich hatte ja auch eine schöne letzte Zeit mit großen Abschieds- und Geburtstagsfeiern, die mir in Erinnerung bleiben und im Zeitalter der digitalen Medien kann es ja nicht so schwer sein Kontakt zu halten. Danke nochmal an alle, die sich bei mir verabschiedet haben und mich unterstützen!!!

Am letzten Tag steht bei mir das Packen an! Eigentlich wollte ich schon eine Woche vorher gepackt haben, aber ich kenne mich ja, das hat nicht so geklappt 😀

Immerhin habe ich schon einige Tage vorher angefangen alle meine Klamotten rauszulegen. Heute habe ich dann alles auf mein großes Bett gelegt und das sah dann nach ganz schön viel aus.

Dank meiner ausführlichen Packlisten ging das Zusammensuchen der notwendigen Dinge relativ schnell (wenn ich nicht immer so trödeln würde). Man muss an soooo viele verschiedene Dinge denken: lange, kurze Oberteile, Strick-/Jacken, Socken, Unterwäsche, Sportsachen, wetterfeste Kleidung, Sommer-/Schuhe, Medikamente, Duschzeug und Kosmetikartikel, wichtige Dokumente, Gastgeschenke, … und und und…

Für die Klamotten habe ich die „Rollmethode“ ausprobiert. Das sah dann, nachdem ich alle Kleidungsstücke gerollt hatte, so aus:

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Die Socken konnte ich in die Schuhe stopfen und somit jeden Zentimer nutzen:

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Das fertige Ergebnis sieht jetzt so aus:

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Unsere Waage spinnt manchmal, aber nach etlichem Wiegen bin ich mir sicher, dass der Koffer die erlaubten 23kg nicht überschreitet. Hoffentlich ist der Reiserucksack (den ich mir für das eine Jahr von meinen lieben Nachbarn ausleihen darf 🙂 ) nicht zu groß und geht als Handgepäck durch. Hinzu kommt noch eine Handtasche, in der ich dann meinen Laptop und alle anderen wichtigen Sachen, wie z.B. Boarding- und Reisepass habe.

Letztendlich hat das Kofferpacken doch meinen ganzen letzten Tag beansprucht, aber den habe ich mir extra freigehalten. Außerdem habe ich mein Zimmer noch komplett aufgeräumt und jetzt werde ich den letzten Abend mit meiner lieben Familie verbringen (Pizza essen, Karten spielen und „Fack ju Göhte“ gucken).

Für morgen ist dann alles bereit. Obwohl ich mir die ganze Zeit denke, dass ich irgendetwas vergessen habe. Ich hoffe, dass morgen alles gut geht und ich nicht in totalen Heulkrämpfen in den Flieger steige, wenn mich meine Familie und eine meiner besten Freundinnen zum Flughafen bringen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, da sich weder meine Mutter, noch meine Schwester, noch ich bei emotionalen Momenten zusammenreißen können. Allerdings gehört so eine filmtypische Abschiedsszene auch irgendwie dazu, oder? 😉

So… Dann werde ich die letzten 11 Stunden ( 😮 ) mit meinen Lieben verbringen und melde mich das nächste Mal aus Kolumbien (ich kann das immer noch nicht glauben!!!).

Meine Weisheit des Tages: Abschied fällt immer schwer, egal wie sehr man sich einredet, dass es nicht schlimm wird 😀

Meine kolumbianische Gastfamilie und mein Visum

Die letzten zwei Tage waren sehr aufregend für mich! Es fanden drei große Ereignisse statt, die mich total glücklich machen. Von denen wollte ich euch kurz berichten:

Gestern hatte ich endlich meinen Visa-Termin im kolumbianischen Konsulat in Berlin um 11:30. Mein Vater ist mitgekommen, weil ich noch (für acht Tage) minderjährig bin und das nicht alleine beantragen kann.
Im Konsulat angekommen, wurde ich das erste Mal mit der „kolumbianischen Pünktlichkeit“ konfrontiert. Wir mussten 20 Minuten warten ohne auch nur eine Person zu sehen, die uns weiterhelfen konnte.
Nach einigen Komplikationen hatte ich zwei Stunden später mein Visum für Kolumbien und bin heilfroh, dass mir das jetzt sicher ist. (Kleiner Tipp an alle, die mal ein kolumbianisches Visum beantragen wollen: den Online-Antrag darf man anscheinend nur einen Monat vorher ausfüllen, denn sonst wird dieser gelöscht und man muss die 40€ Bearbeitungsgebühr nocheinmal bezahlen -.-)

Vor meinem Visa-Termin hatte ich gestern noch eine Fahrstunde, weil heute meine Fahrprüfung stattfand. Und ich kann euch mitteilen…
… ich habe BESTANDEN!!!!!!
Ich bin so glücklich, dass ich das noch vor der Abreise geschafft habe! Die letzten Tage habe ich mir immer gedacht: oh nein… Was passiert, wenn ich die Prüfung nicht bestehe?
Vor und während der Prüfung war ich irgendwie gar nicht aufgeregt. Ich habe mir einfach gesagt, dass es eine ganz normale Fahrstunde ist und hinten nur eine Person drin sitzt, die ich von A nach B bringen soll. Anscheinend habe ich mich zu einem Prüfungsmensch entwickelt, denn bei den Abiturprüfungen war ich auch (meistens) entspannt.
Ich bin heute den ganzen Tag grinsend rumgelaufen. Heute abend habe ich meine Eltern und meinen Bruder zum Italiener kutschiert und zur Feier des Tages haben wir dort gegessen.

Das dritte spannende Ereignis: ich habe eine Gastfamilie!
Um 5 Uhr nachts habe ich eine E-Mail von meiner kolumbianischen Organisation bekommen und einges über meine Familie erfahren.
Ich werde bei einem älteren Ehepaar leben, die zwei Kinder haben. Meine 15-jährige Gastschwester hat mir gleich eine Freundschaftsanfrage bei Facebook gemacht und so konnten wir uns zum Skypen verabreden.
Nachdem wir vom Italiener nachhause gekommen sind, habe ich eine Stunde mit ihnen geskypt! Ich hatte ein bisschen Angst, da mein Spanisch so schlecht ist und ich nicht wusste, was ich sagen sollte. Aber ich hätte mir keine Sorgen machen müssen. Die ganze Familie ist super nett und freut sich schon sehr auf mich. Ich habe auch meinen 13-jährigen Gastbruder gesehen, der genauso Fußball-verrückt ist, wie mein kleiner Bruder.
Sie haben mich viel gefragt, zum Beispiel was ich gerne esse, welche Hobbys ich habe, welche Musik ich mag. Ich habe hauptsächlich mit meiner Gastschwester gesprochen. Sie ist sehr nett und hat gleich munter drauf los geplappert 😀
Ich muss sagen, ich war echt erstaunt, wie gut ich mit meinem Spanisch zurecht kam! Ich konnte zwar nicht alles verstehen, aber schon so einiges und das Sprechen hat auch gut geklappt.
Nach dem Skype-Gespräch freue ich mich richtig auf meine Gastfamilie und bin mir sicher, dass ich mit ihnen eine tolle Zeit verbringen werde.

Also war auf jeden Fall ganz schön was los in den letzten beiden Tagen! Ich war den ganzen Tag total aufgeregt wegen all den tollen Ereignissen :

Meine Weisheit des Tages: egal, ob man eine wichtige Prüfung vor sich hat oder ganz ungeduldig auf seine Gastfamilie wartet, man sollte immer entspannt dabei bleiben und sich nicht zu viele Gedanken machen 🙂

Vorbereitungsseminar in Wiesbaden

Jetzt sind es nicht mal mehr drei Wochen bis ich losfliege! Ich werde oft gefragt, ob ich denn schon aufgeregt bin. Natürlich freue ich mich schon sehr und lese fast jeden Tag Blogs von ehemaligen Freiwilligen oder Sonstiges über Kolumbien und meine Freude steigt immer mehr. Allerdings bin ich irgendwie noch gar nicht aufgeregt. Es ist immer noch so viel Zeit, bis ich abfliege und deshalb ist das Jahr in Kolumbien für mich noch so surreal und unwirklich! Ich glaube richtig realisieren werde ich das erst, wenn ich wirklich in meiner Gastfamilie angekommen bin.

In meinen anderen Blogeinträgen hatte ich das Vorbereitungsseminar in Wiesbaden erwähnt. Heute wollte ich euch ein bisschen darüber erzählen, denn in der kurzen Zeit dort, habe ich schon viel gelernt und eine genaue Vorstellung von meinem zukünftigen Jahr in Kolumbien bekommen.

Das Seminar ging zwölf Tage lang (für mich nur zehn, weil ich ja noch bei meinem Abiball war) und wir waren 101 Freiwillige, die mit dem Programm „weltwärts“ einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst absolvieren. Von Indien über Ruanda bis Nicaragua sind alle möglichen Länder dabei, in die Freiwillige entsendet werden.

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101 Weltwärtsfreiwillige

Wir waren in einer Jugendherberge untergebracht. Wer früher mal eine Sommerwoche in einem Ferienlager verbracht hat, weiß, wie strikt der Zeitplan dort war. Das war bei dem Vorbereitungsseminar nicht anders. Es hat mich wirklich ein bisschen an Ferienlager oder Klassenfahrt erinnert. Ich war in einem Sechsbettzimmer mit drei Leuten, die nach Indien gehen, einer, die in Nicaragua sein wird und Pauline, einer Mitfreiwilligen, mit der ich mich total gut verstanden habe.

Der grobe Zeitplan sah wie folgt aus: 7:30 aufstehen um sich fertig zu machen und dann bis 8:30 frühstücken, denn um 9 Uhr fing schon der erste Workshop an. Dieser dauerte dann drei Stunden und ab um 12:00 gab es Mittagessen (, welches erstaulich gut war). Bis 15 Uhr hatten wir Pause und der nächste Workshop begann, der wieder drei Stunden ging. Dann gab es Abendessen und meistens noch ein Abendprogramm.

Meistens blieb man intern in seinen Ländergruppen. Bei uns waren Peru und Kolumbien zusammengelegt, weil nur vier Leute nach Peru gehen. Schon in den ersten Tagen hat man gemerkt, dass wir eine tolle Gruppe sind, denn alle haben sich super verstanden und wir haben gerne was miteinander unternommen. Mit unseren beiden Teamerinnen, Marieke und Rebecca, hatten wir auch viel Spaß und sie konnten uns auch auf viele Fragen antworten.

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Willkommensschild zu unserem Raum

Die Workshops für die man sich eintragen konnte, waren teilweise echt interessant, teilweise nicht so 😀 Sehr nutzvoll war beispielsweise „Einstieg in die Schulassistenz“, in der wir Lehrmethoden kennengelernt und auch erfahren haben, wie wir uns in besonderen Situationen verhalten sollen, zum Beispiel, wenn einige Kinder sich nach wiederholtem Ermahnen nicht benehmen oder wenn wir sehen sollten, dass ein Kind jeden Tag mit blauen Flecken zur Schule kommt. Nach solch einem Workshop hatte ich in meinem Kopf lauter kreative Gedanken, wie ich den Unterricht gestalten kann, aber in den meisten Momenten kann ich mich selber überhaupt nicht als Lehrerin bzw. als Schulassistentin vorstellen.

Besonders wichtig fand ich es, dass wir die Rolle eines_r Freiwilligen hinterfragt haben. Inwiefern hilft mein Einsatz den Kindern dort? Ist ein Freiwilligendienst wirklich sinnvoll?
Ich muss zugeben, ich dachte, ich könne mithilfe eines Freiwilligendienstes die Welt ein bisschen verbessern. Im Vorbereitungsseminar habe ich schnell gelernt, dass das gar nicht so einfach ist, denn was soll ich als junge Europäerin in Kolumbien schon für folgenschwere Veränderungen vornehmen? Das Seminar hat mir auf jeden Fall geholfen,mir darüber klarzuwerden, was ein Freiwilligendienst eigentlich bedeutet.

Die zwei interessantesten Tage waren, als wir Länderkunde hatten. Johannes, ein ehemaliger Freiwilliger, der vor zwei Jahren in Kolumbien war, hat uns viel über Land, Leute und Kultur erzählt. Wir konnten endlich unsere 1000 Fragen loswerden, die uns beschäftigten, zum Beispiel: Wie sieht der Alltag als Freiwillige_r aus? Was müssen wir unbedingt für die Reise packen? Was isst man in Kolumbien? Eine kleine Kostprobe haben wir bekommen, als wir einen Abend bei einem Kolumbianer essen waren, was unglaublich lecker war!!

Zum Glück hat uns Johannes auch vor einigen Fettnäpfchen gewarnt, in die wir versehentlich treten könnten. Beispielsweise sollten wir mit unseren Gastfamilien nach Möglichkeit nicht über die Geschichte von Kolumbien reden, weil das für viele Kolumbianer ein schwieriges und sensibles Thema ist. Auch das Thema der Sexualität wird dort anders behandelt als hier in Deutschland, da Deutschland bei Homo- oder Transsexualität tendenziell sehr offen ist.

Neben dem Kennenlernen des Gastlandes, war ein zentraler Punkt auch die Teambildung. Wir sind 16 Freiwillige, die zusammen nach Kolumbien gehen und wenn wir Probleme haben, sollen wir uns auch gegenseitig helfen. In den Workshops gab es viele (teilweise nervige) Energizer (kleine Spiele, die uns wieder munter machen, wenn wir müde sind), in denen wir uns besser kennengelernt haben oder das Vertrauen geweckt werden musste. Einmal sollten wir uns von einer Tischtennisplatte in die Arme der anderen fallen lassen und das hat mich persönlich einige Überwindung gekostet. Zumal ich anfangs in einer Gruppe mit vielen unbekannten Gesichtern sehr schüchtern bin (auch wenn mir das keiner, der mich schon lange kennt, glauben wird 😀 ). In den zehn Tagen bin ich dann aber auch aus mir rausgekommen und nun wissen meine Mitfreiwilligen, dass ich auch ganz anders als schüchtern sein kann 😀

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Kolumbiengruppe mit Teamerinnen und Johannes

Das Vorbereitungsseminar war also auf jeden Fall eine sinnvolle Erfahrung! Wir haben uns untereinander kennengelernt, viel über Kolumbien und unsere Organisation bzw. über das Deutsche Rote Kreuz erfahren und uns selber bewusst gemacht, was ein Freiwilligendienst eigentlich ist.

Meine Weisheit des Tages: Ins kalte Wasser geschmissen werden, kann in manchen Situationen ganz sinnvoll sein, doch wenn man für ein Jahr in ein fremdes Land geht, sollte man schon ein bisschen vorbereitet sein 😀 Das bin ich jetzt definitiv durch das Vorbereitungsseminar!