Día por día

– 245 Tage nach der Ankunft –

Hallihallo,
heute wollte ich euch meinen kolumbianischen Alltag zeigen. Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen erzähle ich euch alles.

Also, momentan habe ich seit einer Woche meine letzten Ferien und morgen geht es für zwei Wochen nach Peru! 🙂 Darauf freue ich mich schon sehr.

Eine normale Schulwoche fängt für mich am Montag um 7:30 an, wenn ich aufstehe, frühstücke und ungefähr 8:30 zur Schule laufe. Am Montag fange ich erst um 9:00 an.
Ich laufe fast immer zur Schule, weil es keinen Direktbus gibt und ich eigentlich auch nur 20 Minuten laufe, aber leider bergauf. Mittlerweile bin ich daran gewöhnt, aber in den ersten Wochen kam ich außer Atem oben an.
An einer Stelle laufe ich an einem großen Fabrikgelände vorbei, auf dem Palmen angepflanzt wurden. Früher war für mich immer Urlaub, wenn ich Palmen gesehen habe 😀 Das heißt jeden Tag sehe ich ein wenig Urlaub.

Hier mal ein paar Bilder von meinem Schulweg:

 

Auf meinem Schulweg begegne ich täglich den gleichen Straßenhunden, die immer an der gleichen Ecke sind. Nach einigen halte ich schon immer Ausschau und habe ihnen Namen gegeben:

 

Die Schule endet (bei den Großen) 12:30. Dann laufe ich nachhause und esse Mittag, meist mit meinen Gastgeschwistern und Nachbarn, die zum Essen kommen. So weiß ich nie, wer gerade da ist.

 

Meistens bin ich so müde nach der Schule, dass ich ein wenig schlafe. Gegen 15:00 Uhr treffe ich mich entweder mit Freunden, um einen tinto zu trinken, manchmal auch bei Jemandem zuhause. Oder ich bleibe im Haus und unternehme etwas mit meinen Gastgeschwistern, die allerdings montags bis mittwochs auch nachmittags Schule haben. Oft bin ich auch bei meinen Nachbarn (die Netflix haben 😀 ).

In meiner Freizeit habe ich einige Zeit im Fitnessstudio trainiert, einmal einen Tanz- und Karatekurs ausprobiert und bin in die piscina (Schwimmbad) gegangen. Viele Kolumbianer sind interessiert an Englisch-Nachhilfe, was ich auch einige Male gemacht habe.
Am Mittwochabend lohnt es sich ins Kino zu gehen, weil da Kinotag ist und die Tickets sehr billig (umgerechnet ca. 2,30€).
Allgemein gibt es viele Freizeitmöglichkeiten in Tunja. Nur zum Shoppen ist es keine gute Stadt, weil es nicht besonders schöne Läden für ropa (Kleidung) gibt. Aber so kann ich meinen Shoppingkonsum ein Jahr lang überdenken.

Abends bereite ich noch einige Übungen und Unterrichtseinheiten für die Grundschule vor. Manchmal gucke ich noch einen Film mit meinen Gastgeschwistern und gehe meist früh schlafen.

Mittwoch und Freitag fängt der Tag für mich schon 5:00 Uhr an, da die Schule 6:10 losgeht (wieder bachillerato). Da muss ich mich jedes Mal wieder aus dem Bett quälen und gönne mir ein Taxi, weil ich nicht im Dunkeln den Berg hochwandern möchte.
Mein Alltag bei den Großen ist nicht so spannend. Bei mir ist es so, dass ich bei den Großen nicht viel mithelfe, da meine profe gut Englisch kann. Ich helfe bei der Aussprache, die Schüler können mich immer Dinge fragen und ich helfe auch beim Korrigieren einer Übung (aber bewerte natürlich nicht).
Deshalb jetzt zur Grundschule:

Dienstags und Donnerstag bin ich in der Grundschule. Dorthin laufe ich fünf Minuten länger, aber die sedes (Standorte) sind nicht weit voneinander entfernt. Meine Grundschule ist merkwürdigerweise direkt neben dem Jugendgefängnis von Tunja. Das finde ich ein bisschen schade, da den Kleinen und auch den Älteren kein positives Zukunftsbild vermittelt wird.

 

8:30 fängt die 30-minütige Pause an, in der ich gerne da bin. Sobald ich das Schulgelände betrete, stürmen ungefähr zehn Kinder auf mich und kleben mir an Beinen, Armen und Händen. Ich finde es trotz der langen Zeit, die ich da bin überhaupt nicht nervig, sondern einfach nur süß. Viele Kinder habe ich in mein Herz geschlossen und werde sie sehr vermissen!
Die Mädchen observieren jeden Tag, was ich für Schmuck heute trage oder wie ich meine Haare habe. Manchmal kann es ein wenig schwierig werden von Punkt A nach Punkt B zu kommen, weil die Kinder sich teilweise an einen ranhängen.
An der Grundschule hört der Unterricht schon 12:00 Uhr auf, aber ich bleibe noch dabei bis die Kinder abgeholt werden, was meist bis 12:20 dauert. Dann fahre ich mit einer Lehrerin im Taxi nachhause, weil sie in der Nähe wohnt und ich dann nur noch ein kleines Stückchen laufen muss.

In der Grundschule fühle ich mich auf jeden Fall wohler, als im bachillerato. Bei den Großen sind die Schüler nicht so offen und motiviert Fragen zu stellen oder mit mir zu reden. Im Gegensatz überraschen mich die Kleinen jeden Tag von Neuem mit ihren Fragen („Kommst du mit dem Bus aus Deutschland?“ „Gibt es in Deutschland Hunde?“ „Sind alle in Deutschland blond und haben helle Augen?“).

Bei den Grundschülern darf ich sehr viel im Unterricht helfen! Je nach Klasse und Lehrerin werde ich unterstützt, bin aber zum Glück nie alleine mit den Kindern. Nach wie vor fällt es mir schwer eine Klasse von bis zu 40 Schülern leise zu bekommen (wobei das auch immer von der Klasse abhängt).

Ein kleiner Überblick zu den Grundschulklassen, die ich habe:

Dienstags:
1.01: sehr liebe Kinder, die sich auch immer freuen, sobald ich den Raum betrete. Die einzelnen Kinder kenne ich nicht so gut, weil ich hier hauptsächlich mit dem kleinen Edison arbeite. Er hat besonders Probleme beim Lesen und Schreiben, weil das leider keiner mit ihm zuhause übt. Wenn Edison nicht da ist, helfe ich anderen Kindern beim Lesen und Schreiben.
3.02: schlimmste Klasse, die man sich vorstellen kann 😀 hier bin ich ehrlich gesagt ungern, weil weder die Lehrerin, noch sonst jemand die Kinder unter Kontrolle kriegen kann. Meistens macht die Lehrerin auch gar nicht Englischunterricht, wenn ich gerade da bin, sondern einfach ein anderes Fach, was mich aber nicht besonders stört. Naja… 3.02 ist ein Thema für sich 😀
1.02: meiner Meinung nach die disziplinierteste Klasse und sehr brave, süße Kinder. Die Lehrerin geht liebevoll mit den Kindern um und alle machen, was gesagt wird. Hier bereite ich unter Absprache mit der Lehrerin kleine Spiele oder Lieder vor für die Kinder. In der ersten Klasse ist es recht schwer Englisch beizubringen, da sie noch nicht Spanisch lesen oder schreiben können und das erstmal lernen. Also versuche ich einfache Übungen zu nehmen.

Donnerstags:
2.01: eigentlich meine Lieblingsklasse. Die Kinder sind sehr offen und interessiert an der englischen Sprache, meiner Kultur und Deutschland. Mit der Lehrerin arbeite ich perfekt zusammen und bin sehr zufrieden! Wir bereden, was für ein Thema wir behandeln und ich überlege mir etwas dazu. Ich schreibe die Vokabeln an die Tafel und gemeinsam mit Unterstützung der Lehrerin üben wir die Aussprache und bearbeiten dann die Übungen oder lernen ein Lied. Die Lehrerin bringt aber auch eigene Arbeitsmaterialien mit also weiß, dass ich den Unterricht nicht alleine mache.
1.04: süße, liebe Kinder, die eine tolle Lehrerin haben, mit der ich mich sehr gut verstehe. Hier helfe ich, wo ich gerade kann, ob das den Raum verschönern ist oder lesen bzw. schreiben üben mit einzelnen Schülern.
2.02: eine Klasse, die ich eigentlich sehr gerne mag, mit der es aber recht kompliziert ist. Mit den Kindern arbeite ich gerne zusammen, aber ich habe einige Probleme mit der Lehrerin (ausgerechnet die, die mich immer im Taxi mitnimmt). Das ist eine lange Geschichte, deshalb versuche ich es kurz zu halten und sage euch, dass es mir hier schwer fällt, da die Lehrerin mich als Englischlehrerin sieht und denkt ich bin hier, um den gesamten Unterricht zu schmeißen. Bestes Beispiel: sie bekommt überhaupt nicht mit, was ich im Unterricht mache und so kam es einmal dazu, dass ich einen permanenten Marker für die Tafel benutzt habe und die rote Farbe danach nicht mehr abging (später dann mit Alkohol). Traurig ist auch, dass ich die Aufmerksamkeit der Kinder nicht bekomme und so manchmal von 36 Schülern nur 6 mitmachen. Ziemlich schwierig also… Martin war schon in meiner Schule um mit der Lehrerin zu reden und hoffentlich ändert sich das nach den Ferien.

An einem Wochenende schlafe ich gerne aus. Ein typisch kolumbianisches Wochenende wäre zuhause zu bleiben, schlafen und mit der Familie zu reden. Zum Mittag kommt öfter einmal jemand aus der Familie z.B. tíos (Tanten und Onkel).
Wenn ich das nicht mache, treffe ich mich mit Freunden oder verreise über das Wochenende. Wie ich schon so oft geschwärmt habe, kann man in Kolumbien über das Wochenende einen wunderschönen Kurzurlaub machen, da man nicht weit fahren muss und in einer komplett anderen Gegend ist. So habe ich am Wochenende meist mindestens einen Ausflug gemacht (oft mit meinen Nachbarn oder anderen Freiwilligen).

Das war ein kleiner Einblick in mein Leben, dass ich hier führe. Ich habe mich so sehr an den Ablauf gewöhnt und kann mir gar nicht vorstellen, dass ich das bald nicht mehr genießen kann. Mir macht die Arbeit sehr viel Spaß, ich bin Teil der Familie meiner Gastfamilie und meiner Nachbarn geworden, ich liebe es über das Wochenende zu verreisen, die vielen Cafes in Tunja, die Freizeit, die ich hier habe und allgemein das kolumbianische Lebensgefühl.
Ich würde gerne, da ich mich jetzt so richtig wie angekommen fühle, noch länger hier bleiben. Leider bleiben nach dem Peruurlaub nur noch 3 1/2 Wochen und dann geht es schon wieder zurück 😦

Weisheit des Tages: Alltag ist nicht immer schlimm, vor allem der Kolumbianische 😀

„Tomate tu tiempo“

– 234 Tage nach der Ankunft –

Ein kleiner Traum ist in Erfüllung gegangen!

Vor ungefähr zwei Jahren im Spanischunterricht mussten wir Vorträge halten über Feste in spanischsprachigen Ländern. Darunter wurde uns das Fest „Tomatína“ vorgestellt.
Die Tomatína hat weder einen religiösen noch einen politischen Hintergrund. Im Prinzip bewerfen sich die Menschen, die teilnehmen gegenseitig mit Tomaten und haben Freude daran.
Diese jahrelange Tradition stammt ursprünglich aus Spanien. Seit 2004 gibt es die „Tomatína“ auch in Sutamarchan, einem kleinen Dorf, in dem ich einmal war, nicht weit von Tunja.
Eigentlich werden überreife Tomaten verwendet, aber traurigerweise gab es auch viele noch grüne. Mir ist bewusst, dass es eine ziemliche Lebensmittelverschwendung ist, aber ich finde einmal kann man da mitmachen.
Seit ich diesen Vortrag in der Schule gehört habe, wollte ich mit meinen Mitschülern unbedingt einmal mitmachen, weil es auf Bildern nach einer Menge Spaß aussah. Ich dachte aber sowieso, dass ich niemals die Chance dazu haben würde.

Tja… So spielt manchmal das Leben!
Letzte Woche in Villavicencio hat mein Nachbar ein Kreuzworträtsel gelöst, in dem die Frage war, woher das Fest „Tomatína“ kommt und ich habe erzählt, dass ich da unbedingt einmal hin möchte. Da meinte er, dass es in Sutamarchan nächste Woche stattfindet und er bzw. meine Nachbarn, mit mir und Angelika hinfahren würden.
Also sind wir am Sonntag früh aufgestanden, um pünktlich um 9:00 zu Beginn da zu sein. Aus 7:00 Abfahrt wurde 7:45. Trotzdem waren wir rechtzeitig in Sutamarchan.
Allerdings wurde uns dort gesagt, dass 9:00 die Veranstaltung für die Kinder stattfindet und für Erwachsene erst 15:00.

Ich schlug dann vor nach Chiquinquira zu fahren, eine kleinere Stadt ca 40 Minuten entfernt. Dort wollte ich bevor ich zurück nach Deutschland fliege unbedingt nochmal hin. Von meinem Besuch im November hatte ich in einem älteren Beitrag schon berichtet. Damals habe ich Nubia kennengelernt, eine prima (Cousine) von meinem Nachbarn. Ich habe oft an sie gedacht, weil sie sooo herzlich ist. Ich wurde freudig von ihr empfangen. Nach einem kleinen Frühstück sind wir in der Stadt rumgelaufen und ich habe mich viel mit ihr unterhalten.

 

Nach einem schnellen Mittagessen und einem kurz gehaltenen Abschied (wir waren ein wenig spät dran), sind wir zurück nach Sutamarchan.
Dort haben wir das „Tomatína“-T-Shirt gekauft und uns umgezogen. Bei der Tomatína waren nur mein 16-jähriger Nachbar und seine Mutter, die aber nicht teilnehmen wollte und deshalb viele Fotos gemacht hat.

Nach einem Countdown sind zuerst die Kinder auf den Berg von Tomaten gelaufen und haben ein bisschen rumgeworfen. Nach kurzer Zeit durften dann alle loslegen.

Ich kann euch sagen, das war eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde!
Ich weiß nicht genau, was Angelika und ich uns vorgestellt haben, aber sowas nicht 😀

Eigentlich dachte ich, dass man ein bisschen Tomaten rumwirft. Schnell musste ich aber feststellen, dass das nicht alles ist.
Wenn man sauber geblieben ist (Limpio!) dann kommen fünf bis zehn Menschen auf dich zugerannt und zerren dich in den Berg von Tomaten hinein und von allen Seiten wird man mit Tomaten überhäuft.
Am Anfang dachte ich mir: Man, das ist aber gemein gewesen. Aber dann habe ich mitbekommen, dass einfach niemand sauber daraus durfte.

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Tomatenbergselfie

Tja… Letztendlich wurde ich dreimal in den Berg reingezogen, weil ich anscheinend immer noch nicht „tomatig“ genug war. Allerdings ist zum Ende hin mehr Dreck und Schlamm als Tomate vorhanden, weshalb wir gar nicht so rot aussehen, wie ich es gedacht hätte. Am Ende glich es also eher einem Schlammcatchen.

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Gleich beim 1. Mal, wo ich reingezogen wurde, habe ich meine Schuhe verloren, weil einfach alles so glitschig war. Ich hab in halber Panik in den knöchelhohem Tomatenmatsch verzweifelt meine Schuhe gesucht und dachte schon: Ja gut… Du wirst hier ohne Schuhe rausgehen. Zum Glück habe ich sie doch noch gefunden und fest zugezurrt.

Nach dem 2. Mal habe ich mich schon genug „tomatig“ gefühlt, doch dann kam ein viel zu starker Typ an und hat mich locker hochgehoben und noch einmal in den Tomatenmatsch reingeworfen. Tja… Dann hat er sich aber auf mich raufgelegt. Ich lag also in den Tomaten drin und dieser Typ auf mir drauf, so dass ich nicht flüchten konnte und Tomate in Ohren, Nase und überall hatte.
Angelika und ich hatten die Idee eine Sonnenbrille aufzusetzen, was echt gut war! Als ich mich irgenwie befreien konnte, war meine Sonnenbrille voller Tomate und wenn ich mir vorstelle, dass ich das in meinen Augen gehabt hätte…

Jetzt wusste ich auf jeden Fall, dass da ein starker Typ war und wir haben ihm gesagt, dass Fredy (mein Nachbar) immer noch viel zu sauber ist. Fredy war ganz schön sauer, als er genauso „tomatig“ wie wir rauskam 😀

 

Ein paar Impressionen:

 

Am Ende war dann ein Feuerwehrauto da und die Masse wurde mit Wasser abgespritzt. Manche waren aber so gemein, dass wenn man gerade wieder sauber war, wieder in den Dreck reingezogen wurde.
Ich hatte übrigens ein bisschen das Gefühl, dass weil ich eine mona (Blonde) bin, leichter zum Opfer wurde, weil ich halt auch mehr auffalle 😀
Außerderm wurde ein Schaum verkauft, der zum Saubermachen helfen sollte. Der wurde aber auch so wahlweise rumgesprüht.
Also gab es sozusagen drei Phasen:
1. Tomatig
2. Halbwegs sauber vom Wasser
3. Weiß vom Schaum

Osmany, die ja eigentlich nicht mitmachen wollte, wurde dann auch von herzlichen Menschen umarmt (Abrazo!) und war dann doch mit Tomaten eingesaut.

 

Danach sind wir, weil wir uns ja so nicht ins Auto setzen konnten, zu einem Fluss gelaufen, wo mehrere Menschen waren. Dort sollten wir uns halbwegs abbaden.
Typisch Jule bin ich vor allen Menschen im Schlamm ausgerutscht.

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Beweisfoto

Nach dem Wasser und dadurch, dass die Sonne langsam unterging wurde uns seeehr kalt. Wir sind dann nach Villa de Leyva gefahren, weil meine Nachbarn dort Familie und ein Haus haben. Dort wollten Angelika und ich uns entspannt duschen, doch dann die Überraschung: es gab keine funktionierende Dusche.
Wir haben zwei Eimer mit heißem Wasser bekommen und mussten dann irgendwie die Tomaten von uns bekommen. Wir beide haben nicht gerade kurze Haare und es war echt ein Akt sauber zu werden! Ich habe danach noch ewig Tomatenstückchen aus meinem Haar gesammelt (und noch eine Tasse im Haus kaputt gemacht, ups! :D).

Eigentlich wollte ich an dem Abend noch auf eine Finca meiner Profe fahren, die mich eingeladen hatte, aber wir haben so lange gebraucht und waren so fertig, dass ich in Villa geblieben bin.
Bei Freunden, die ein Hotel besitzen, haben wir zum Abendessen arroz con leche (Milchreis) mit Tomaten! (nein, Spaß :D) bekommen. Der Milchreis war typisch mit Käse obendrauf und Kokos und Rosinen.

Ich wollte danach nur noch schlafen, aber meine Nachbarn wollten noch zum Plaza für eine vuelta (Runde). Vuelta in Kolumbien können fünf Minuten oder fünf Stunden sein so ungefähr 😀 Ich hatte überhaupt keine Lust und war schon im Pyjama, was mir sehr unangenehm war (aber in Kolumbien gar nicht so ungewöhnlich ist). Auf dem Weg zum Plaza haben wir dann noch Hauke, unseren Mitfreiwilligen in Villa de Leyva, getroffen.
Weil am Montag festivo war, war auf dem Plaza ordentlich was los. In einer Ecke wurde gesungen und getanzt. Dort waren wir eine Weile. Wie das so typisch ist, wurden wir dann von meinen Nachbarn und seinem Bruder zum Bier trinken eingeladen. Und das alles im Schlafanzug 😀

Also hatte ich ein sehr witziges Wochenende, indem ich wieder viele neue Erfahrungen gemacht habe! Paar Tage später habe ich noch ein bisschen Muskelkater vom Tomaten-Werfen 😀

Weisheit des Tages: Ich hatte zwar Tomaten an Stellen, wo ich niemals Tomate haben wollte, aber trotzdem bin ich der Meinung, dass man einmal in seinem Leben bei einer Tomatína mitmachen sollte! 😀

„Profe, bitte keine 1!“

– 228 Tage nach der Ankunft-

Heute ist der 1. Juni. Das heißt in zwei Monaten bin ich schon wieder in Deutschland 😦 Ich kann gar nicht glauben, wie die Zeit rast!
Weder ich noch meine Gastfamilie noch meine Nachbarn noch meine Lehrerin und Schüler wollen an den Moment des Abschiedes denken… Deshalb jetzt zu einem anderen Thema.

Am Wochenende bin ich mit meinen Nachbarn verreist nach Villavicencio und hatte wieder eine tolle Zeit! Angelika war auch dabei, da mein Nachbar ja ihr Schüler ist und sie sich sehr gut verstehen.
Wir haben viel gelacht, getanzt und erlebt.
Mal sehen, ob ich dazu komme Etwas darüber zu schreiben. Ich habe ja schon so einige Themen angekündigt, über die ich nie geschrieben habe 😀

Heute wollte ich euch das Schulsystem in Kolumbien erklären. Es gibt einige Dinge, die anders sind, als in Deutschland.

  1. Wie im Titel zu lesen: Die Noten. Anfangs, als ich noch nicht so viel verstanden habe, war ich ein wenig verwirrt, wie das mit der Notenvergabe ist.
    Jetzt komme ich damit schon ganz gut klar.
    In Kolumbien ist die beste Note eine 5. Dementsprechend die Schlechteste eine 1. An den öffentlichen Schulen (wie z.B. meiner Schule) besteht man mit 3,0. An den Privatschulen (wie z.B. die meiner Gastgeschwister) mit 3,5.
    3,0 ist trotzdem keine besonders gute Note. Das heißt eben, dass man gerade so bestanden hat.
    Dann gibt es noch Zwischenwerte, wie 1,7 oder 4,3 (ich glaube ihr habt das Prinzip verstanden).
  2. Das Schuljahr fängt im Januar an und geht bis Dezember. Dann sind die großen Ferien (ungefähr zwei Monate). Zwischendurch gibt es wie in Deutschland auch Ferien und weil die Kolumbianer gerne feiern: viele festivos (Feiertage). Festivos sind fast immer an einem Montag also gibt es viele puente Wochenenden (Brückenwochenende). Wenn der eigentliche Feiertag auf einen Samstag fällt, wird das auf den Montag verlegt, damit man auch wirklich etwas davon hatte.
    Letztes Wochenende war auch puente, weshalb ich mit meinen Nachbarn verreist war. Der kommende Montag übrigens wieder.
  3. Das Schuljahr ist in cuatro periodos (vier Perioden) unterteilt. Das kann man mit den Halbjahren in Deutschland vergleichen. Die Noten werden für eine Periode gesammelt und die Schüler werden darüber informiert. In der nächsten Periode gibt es ein neues Thema und neue Noten.
    Als Freiwillige bekomme ich dann auch mit, wie die Schüler zum Ende eine Periode immer freundlicher zu den Lehrern werden, bis sie den profe anbetteln eine bessere Note zu bekommen („Aaayyy, prooofe!“).
  4. In ganz Kolumbien (so weit ich weiß) gibt es Schuluniform. Es gibt auch Ausnahmen, z.B. die Privatschule von meinem Gastcousin. Dort darf jeder anziehen, was er will und sich sogar die Haare färben (in meiner Schule müssen sich die Mädchen abschminken, wenn sie sich zu stark geschminkt haben).
    Meine Schuluniform ist nicht so spektakulär, was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass meine Schule bzw. die Schüler nur begrenzte Mittel haben.
    Wenn man im Zentrum rumläuft und Schüler sieht, kann man mittlerweile sagen, von welcher Schule sie kommen anhand der Uniform.
    Die Schuluniform meiner Schule erkennt man in einigen Bildern von meinen vorigen Blogbeiträgen. Allgemein gilt: Jungs und Mädchen tragen ein Hemd (bei mir weiß mit Kragen), den Schulpullover mit Schullogo auf der linken Brust („LSB“ in weißer Schrift, der Pullover ist dunkelblau), die Jungs haben Hosen an (in meiner Schule sind das einfache Jeans, die jeder anziehen kann, wie er will), die Mädchen Röcke und Strumpfhosen (grau-kariert und dunkelblaue Strumpfhose). Jungs und Mädchen tragen schwarze Schuhe.
    Dann gibt es noch die Sportuniform: die ist von Schule zu Schule recht unterschiedlich. Bei mir ist das eine Jogginghose und Sportjacke in dunkelblau (auch mit Schullogo), einem weißen T-Shirt (mit Logo) drunter und weiße Sportschuhe.
    Für besondere Anlässe gibt es an manchen Schulen noch etwas „Besonderes“. Bei mir sind das weiße Handschuhe, die aber so gut wie nie jemand mitbringt.
    Wer seine Uniform in der Schule nicht an hat, bekommt ziemlichen Ärger und manchmal sogar eine schlechte Note dafür.
  5. In Kolumbien fängt die Schule seeehr früh an.
    Im bachillerato an meiner Schule geht es von 6:10 (!!!) bis 12:30. Bei der primaria (Grundschule) von 6:30 bis 12:00.
    Allerdings muss ich hinzufügen, dass wenn der Unterricht 6:10 anfangen soll, es eigentlich erst 6:30 losgeht, denn sowohl Schüler, als auch Lehrer kommen oft zu spät. In letzter Zeit ist das Zuspätkommen in meiner Schule allerdings ein großes Problem.
    Nachmittags gibt es an meiner Schule auch Unterricht. Die Klassen, die morgens und abends Unterricht haben, wechseln jedes Jahr. Letztes Jahr hatten 6. – 8. Klasse vormittags, jetzt ist es 9.- bis 11.
  6. Das mit den Schulmaterialien ist auch so eine Sache. Vielleicht liegt es daran, dass die Deutschen in der Schule besonders strukturiert sind.
    Hier gibt es kein Hausfaufgabenheft und keine Bücher oder Arbeitshefte (an manchen Schulen gibt es Bücher, meine hat leider kein Geld dafür). Die Schüler haben für jede materia (Unterrichtsfach) ein cuaderno  (so etwas wie ein Heft). Gerade bei den Grundschülern können die manchmal ganz schön zerfleddert aussehen.
  7. Die materias sind allgemein so wie in Deutschland. Ganz wichtig sind Mathe und Spanisch. Es gibt auch Sport, Physik, Chemie, Biologie, Englisch. Kunst und Musik sind in den meisten Schulen als Artistica zusammengefasst. Nicht fehlen darf Religion und es gibt noch Ethik und sociales. Eine weitere Fremdsprache z.B. Französisch gibt es in den wenigsten Schulen (bei mir nicht).
  8. Ganz wichtig ist die formación.  Das unterstreicht den Patriotismus der Kolumbianer. Ich finde das auch immer ganz toll.
    Dabei stellen sich die Schüler in ihren Klassen auf dem Hof auf, also „formieren“ sich.
    Dann wird zuerst die Nationalhymne Kolumbiens gesungen (bei der ich immer stolz mitsinge) und anschließend die Schulhymne, die ich gerne mag. Dabei ist die Schul- und Kolumbienflagge gehisst.
    Wann die formación ist, weiß man in meiner Schule nie so genau, weil es nicht immer ganz so strukturiert ist. Es wird aber immer an einem besondern Tag gemacht, z.B. „Día de la madre“.
    Letzte Woche war ich das erste Mal bei der formación der Kleinen dabei und fand es besonders süß, wie sie die Hymne mitsingen.

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    formación der Kleinen (meine Bebis, wie ich sie nenne 😀 )
  9. Pausen sind auch anders gehandhabt als in Deutschland. Bei mir gibt es am Tag eine halbe Stunde Pause, in der die Schüler essen. Ansonsten gibt es hintereinander weg Unterricht, was ich nicht besonders effektiv finde. Eine Unterrichtsstunde geht übrigens 60 Minuten. Manchmal haben die Schüler ein Fach auch zwei Stunden lang.
  10. Der letzte Punkt ist das „Schüler-Lehrer-Verhältnis“, welches meiner Meinung nach komplett anders ist als in Deutschland. Vielleicht liegt es an der allgemeinen Offenheit der Kolumbianer.
    Die Schüler gehen mit den Lehrern um, wie mit Freunden. Wie sie mit ihnen reden und Witze machen, so etwas gibt es eher selten in Deutschland.
    Oft haben die Schüler die private Handynummer der Lehrer. Meine Gastschwester findet es sehr cool ihrem Lehrer nachmittags mal zu schreiben. Beispielsweise, wenn wir beim Mittagessen eine „Diskussionen“ über ein Thema haben, fragt sie ihren Lehrer zu seiner Meinung.
    Hier werden die Lehrer nicht mit „Frau“ oder „Herr Sowieso“ angesprochen, sondern einfach nur „profe“ oder „profesita“.
    Dadurch ist ein sehr lockeres Umfeld.

Das war ein kleiner Einblick in das Schulleben Kolumbiens.

Weisheit des Tages: Die Schule und das ganze Umfeld ist in Kolumbien wesentlich lockerer. Dafür finde ich, dass die Bildung in Deutschland „besser“ ist. (Meine persönliche Meinung!)