Día por día

– 245 Tage nach der Ankunft –

Hallihallo,
heute wollte ich euch meinen kolumbianischen Alltag zeigen. Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen erzähle ich euch alles.

Also, momentan habe ich seit einer Woche meine letzten Ferien und morgen geht es für zwei Wochen nach Peru! 🙂 Darauf freue ich mich schon sehr.

Eine normale Schulwoche fängt für mich am Montag um 7:30 an, wenn ich aufstehe, frühstücke und ungefähr 8:30 zur Schule laufe. Am Montag fange ich erst um 9:00 an.
Ich laufe fast immer zur Schule, weil es keinen Direktbus gibt und ich eigentlich auch nur 20 Minuten laufe, aber leider bergauf. Mittlerweile bin ich daran gewöhnt, aber in den ersten Wochen kam ich außer Atem oben an.
An einer Stelle laufe ich an einem großen Fabrikgelände vorbei, auf dem Palmen angepflanzt wurden. Früher war für mich immer Urlaub, wenn ich Palmen gesehen habe 😀 Das heißt jeden Tag sehe ich ein wenig Urlaub.

Hier mal ein paar Bilder von meinem Schulweg:

 

Auf meinem Schulweg begegne ich täglich den gleichen Straßenhunden, die immer an der gleichen Ecke sind. Nach einigen halte ich schon immer Ausschau und habe ihnen Namen gegeben:

 

Die Schule endet (bei den Großen) 12:30. Dann laufe ich nachhause und esse Mittag, meist mit meinen Gastgeschwistern und Nachbarn, die zum Essen kommen. So weiß ich nie, wer gerade da ist.

 

Meistens bin ich so müde nach der Schule, dass ich ein wenig schlafe. Gegen 15:00 Uhr treffe ich mich entweder mit Freunden, um einen tinto zu trinken, manchmal auch bei Jemandem zuhause. Oder ich bleibe im Haus und unternehme etwas mit meinen Gastgeschwistern, die allerdings montags bis mittwochs auch nachmittags Schule haben. Oft bin ich auch bei meinen Nachbarn (die Netflix haben 😀 ).

In meiner Freizeit habe ich einige Zeit im Fitnessstudio trainiert, einmal einen Tanz- und Karatekurs ausprobiert und bin in die piscina (Schwimmbad) gegangen. Viele Kolumbianer sind interessiert an Englisch-Nachhilfe, was ich auch einige Male gemacht habe.
Am Mittwochabend lohnt es sich ins Kino zu gehen, weil da Kinotag ist und die Tickets sehr billig (umgerechnet ca. 2,30€).
Allgemein gibt es viele Freizeitmöglichkeiten in Tunja. Nur zum Shoppen ist es keine gute Stadt, weil es nicht besonders schöne Läden für ropa (Kleidung) gibt. Aber so kann ich meinen Shoppingkonsum ein Jahr lang überdenken.

Abends bereite ich noch einige Übungen und Unterrichtseinheiten für die Grundschule vor. Manchmal gucke ich noch einen Film mit meinen Gastgeschwistern und gehe meist früh schlafen.

Mittwoch und Freitag fängt der Tag für mich schon 5:00 Uhr an, da die Schule 6:10 losgeht (wieder bachillerato). Da muss ich mich jedes Mal wieder aus dem Bett quälen und gönne mir ein Taxi, weil ich nicht im Dunkeln den Berg hochwandern möchte.
Mein Alltag bei den Großen ist nicht so spannend. Bei mir ist es so, dass ich bei den Großen nicht viel mithelfe, da meine profe gut Englisch kann. Ich helfe bei der Aussprache, die Schüler können mich immer Dinge fragen und ich helfe auch beim Korrigieren einer Übung (aber bewerte natürlich nicht).
Deshalb jetzt zur Grundschule:

Dienstags und Donnerstag bin ich in der Grundschule. Dorthin laufe ich fünf Minuten länger, aber die sedes (Standorte) sind nicht weit voneinander entfernt. Meine Grundschule ist merkwürdigerweise direkt neben dem Jugendgefängnis von Tunja. Das finde ich ein bisschen schade, da den Kleinen und auch den Älteren kein positives Zukunftsbild vermittelt wird.

 

8:30 fängt die 30-minütige Pause an, in der ich gerne da bin. Sobald ich das Schulgelände betrete, stürmen ungefähr zehn Kinder auf mich und kleben mir an Beinen, Armen und Händen. Ich finde es trotz der langen Zeit, die ich da bin überhaupt nicht nervig, sondern einfach nur süß. Viele Kinder habe ich in mein Herz geschlossen und werde sie sehr vermissen!
Die Mädchen observieren jeden Tag, was ich für Schmuck heute trage oder wie ich meine Haare habe. Manchmal kann es ein wenig schwierig werden von Punkt A nach Punkt B zu kommen, weil die Kinder sich teilweise an einen ranhängen.
An der Grundschule hört der Unterricht schon 12:00 Uhr auf, aber ich bleibe noch dabei bis die Kinder abgeholt werden, was meist bis 12:20 dauert. Dann fahre ich mit einer Lehrerin im Taxi nachhause, weil sie in der Nähe wohnt und ich dann nur noch ein kleines Stückchen laufen muss.

In der Grundschule fühle ich mich auf jeden Fall wohler, als im bachillerato. Bei den Großen sind die Schüler nicht so offen und motiviert Fragen zu stellen oder mit mir zu reden. Im Gegensatz überraschen mich die Kleinen jeden Tag von Neuem mit ihren Fragen („Kommst du mit dem Bus aus Deutschland?“ „Gibt es in Deutschland Hunde?“ „Sind alle in Deutschland blond und haben helle Augen?“).

Bei den Grundschülern darf ich sehr viel im Unterricht helfen! Je nach Klasse und Lehrerin werde ich unterstützt, bin aber zum Glück nie alleine mit den Kindern. Nach wie vor fällt es mir schwer eine Klasse von bis zu 40 Schülern leise zu bekommen (wobei das auch immer von der Klasse abhängt).

Ein kleiner Überblick zu den Grundschulklassen, die ich habe:

Dienstags:
1.01: sehr liebe Kinder, die sich auch immer freuen, sobald ich den Raum betrete. Die einzelnen Kinder kenne ich nicht so gut, weil ich hier hauptsächlich mit dem kleinen Edison arbeite. Er hat besonders Probleme beim Lesen und Schreiben, weil das leider keiner mit ihm zuhause übt. Wenn Edison nicht da ist, helfe ich anderen Kindern beim Lesen und Schreiben.
3.02: schlimmste Klasse, die man sich vorstellen kann 😀 hier bin ich ehrlich gesagt ungern, weil weder die Lehrerin, noch sonst jemand die Kinder unter Kontrolle kriegen kann. Meistens macht die Lehrerin auch gar nicht Englischunterricht, wenn ich gerade da bin, sondern einfach ein anderes Fach, was mich aber nicht besonders stört. Naja… 3.02 ist ein Thema für sich 😀
1.02: meiner Meinung nach die disziplinierteste Klasse und sehr brave, süße Kinder. Die Lehrerin geht liebevoll mit den Kindern um und alle machen, was gesagt wird. Hier bereite ich unter Absprache mit der Lehrerin kleine Spiele oder Lieder vor für die Kinder. In der ersten Klasse ist es recht schwer Englisch beizubringen, da sie noch nicht Spanisch lesen oder schreiben können und das erstmal lernen. Also versuche ich einfache Übungen zu nehmen.

Donnerstags:
2.01: eigentlich meine Lieblingsklasse. Die Kinder sind sehr offen und interessiert an der englischen Sprache, meiner Kultur und Deutschland. Mit der Lehrerin arbeite ich perfekt zusammen und bin sehr zufrieden! Wir bereden, was für ein Thema wir behandeln und ich überlege mir etwas dazu. Ich schreibe die Vokabeln an die Tafel und gemeinsam mit Unterstützung der Lehrerin üben wir die Aussprache und bearbeiten dann die Übungen oder lernen ein Lied. Die Lehrerin bringt aber auch eigene Arbeitsmaterialien mit also weiß, dass ich den Unterricht nicht alleine mache.
1.04: süße, liebe Kinder, die eine tolle Lehrerin haben, mit der ich mich sehr gut verstehe. Hier helfe ich, wo ich gerade kann, ob das den Raum verschönern ist oder lesen bzw. schreiben üben mit einzelnen Schülern.
2.02: eine Klasse, die ich eigentlich sehr gerne mag, mit der es aber recht kompliziert ist. Mit den Kindern arbeite ich gerne zusammen, aber ich habe einige Probleme mit der Lehrerin (ausgerechnet die, die mich immer im Taxi mitnimmt). Das ist eine lange Geschichte, deshalb versuche ich es kurz zu halten und sage euch, dass es mir hier schwer fällt, da die Lehrerin mich als Englischlehrerin sieht und denkt ich bin hier, um den gesamten Unterricht zu schmeißen. Bestes Beispiel: sie bekommt überhaupt nicht mit, was ich im Unterricht mache und so kam es einmal dazu, dass ich einen permanenten Marker für die Tafel benutzt habe und die rote Farbe danach nicht mehr abging (später dann mit Alkohol). Traurig ist auch, dass ich die Aufmerksamkeit der Kinder nicht bekomme und so manchmal von 36 Schülern nur 6 mitmachen. Ziemlich schwierig also… Martin war schon in meiner Schule um mit der Lehrerin zu reden und hoffentlich ändert sich das nach den Ferien.

An einem Wochenende schlafe ich gerne aus. Ein typisch kolumbianisches Wochenende wäre zuhause zu bleiben, schlafen und mit der Familie zu reden. Zum Mittag kommt öfter einmal jemand aus der Familie z.B. tíos (Tanten und Onkel).
Wenn ich das nicht mache, treffe ich mich mit Freunden oder verreise über das Wochenende. Wie ich schon so oft geschwärmt habe, kann man in Kolumbien über das Wochenende einen wunderschönen Kurzurlaub machen, da man nicht weit fahren muss und in einer komplett anderen Gegend ist. So habe ich am Wochenende meist mindestens einen Ausflug gemacht (oft mit meinen Nachbarn oder anderen Freiwilligen).

Das war ein kleiner Einblick in mein Leben, dass ich hier führe. Ich habe mich so sehr an den Ablauf gewöhnt und kann mir gar nicht vorstellen, dass ich das bald nicht mehr genießen kann. Mir macht die Arbeit sehr viel Spaß, ich bin Teil der Familie meiner Gastfamilie und meiner Nachbarn geworden, ich liebe es über das Wochenende zu verreisen, die vielen Cafes in Tunja, die Freizeit, die ich hier habe und allgemein das kolumbianische Lebensgefühl.
Ich würde gerne, da ich mich jetzt so richtig wie angekommen fühle, noch länger hier bleiben. Leider bleiben nach dem Peruurlaub nur noch 3 1/2 Wochen und dann geht es schon wieder zurück 😦

Weisheit des Tages: Alltag ist nicht immer schlimm, vor allem der Kolumbianische 😀

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