„Paula“ – Chile und seine Literatur

– 120 Tage in Chile –

Lesen, lesen, lesen. Eines meiner liebsten Hobbys und eine der besten Möglichkeiten in eine fremde Welt einzutauchen und mit mehr Verständnis wieder aufzutauchen. Um Chile besser verstehen zu können, versuche ich in der Zeit, die ich hier lebe, viel Literatur chilenischer Autor*innen zu lesen. Gabriela Mistral (1945) und Pablo Neruda (1971) sind zwei Personen aus Chile, die den Literaturnobelpreis gewannen und die chilenische Literatur für immer prägten.
Schon als Kind las ich Bücher von Isabel Allende. Sie war die erste lateinamerikanische Schriftstellerin, die ich las und ihr fantasievoller Schreibstil entführte mich in ihre selbstgeschaffenen Welten.

Auf dem Blog von everythingisliterary habe ich eine Rezension zu ihrem Buch „Paula“ verfasst, die ihr hier lesen könnt. Das Buch hat mir geholfen das Leben der Autorin, den Militärputsch im Jahr 1973 und die darauffolgenden Entwicklungen im Land besser zu verstehen.

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Hör mir zu, Paula, ich erzähle dir eine Geschichte, damit du nicht so verloren bist, wenn du wieder aufwachst. – Isabel Allende, Paula, Suhrkamp Verlag.

WORUM GEHT ES?

Das Unfaßbare geschah im Dezember 1991, als lsabel Allendes Tochter Paula plötzlich schwer erkrankte und kurz darauf ins Koma fiel. Eine heimtückische Stoffwechselkrankheit hatte die lebensfrohe junge Frau jäh niedergeworfen, im Herbst 1992 starb sie. Das Schicksal ihrer Tochter wurde für lsabel Allende zur schwersten Prüfung ihres Lebens. Um die Hoffnung nicht zu verlieren, schrieb sie, der Tochter zur Erinnerung um sich selbst zur Tröstung, »das Buch ihres Lebens – in doppelter Hinsicht« (Bayerischer Rundfunk), ihr persönlichstes und intimstes Buch »eine Hymne auf das Leben« (stern)“. (Quelle: Suhrkamp Verlag)

MEINE MEINUNG
Es ist eine ungewöhnliche Situation, in die die Lesenden geworfen werden. Isabel Allende setzt sie direkt neben sich an das Krankenbett ihrer Tochter. Mit bildlicher Sprache scheint es, als würde ihre kranke Tochter Paula vor uns liegen. Mit eigenen Augen können wir sie betrachten.

Um nicht in Trauer zu ersticken, fing Isabel Allende 1991 an, ihre Gedanken aufzuschreiben, als ihre Tochter ins Koma fiel. Aus ihrem Brief, den sie an Paula adressierte, wurde ein Buch, das ihre Tochter nie zu lesen bekam. Auf literarische Weise erzählt die chilenische Autorin ihre Lebensgeschichte und die ihrer Tochter. Mit vielen Anekdoten nimmt sie die Lesenden mit nach Lima (Peru), Beirut (Libanon), Santiago de Chile (Chile), Caracas (Venezuela) und letztendlich ins Madrider Krankenhaus, in dem ihre Tochter Monate in einem unveränderten Zustand liegt.

Die Autorin wechselt zwischen der Vergangenheit und den Krankenhausmomenten, in denen sie durch kleinste Veränderungen neue Hoffnung im Kampf gegen die Krankheit sammelt. Sie erzählt von Trauer, Kraft und dem Gefühl ihre Tochter langsam zu verlieren.

In den Passagen aus der Vergangenheit lässt Isabel Allende ihre fantasievolle Kindheit an verschiedenen Orten der Welt in ihren Erinnerungen aufblühen, an denen sie aufgrund der diplomatischen Tätigkeit ihres Onkels lebte. Schon früh zeigte sich, Isabel würde eines Tages ihre Fantasie in Romanen ausleben. Sie beschreibt, wie sie dazu kam, ihren ersten Roman Das Geisterhaus zu schreiben und schildert auch ihren Weg in den Journalismus in Chile. Gemeinsam mit anderen Frauen gründete sie die erste feministische Zeitung des Landes: Paula.

Als am 11. September 1973 der sozialistische Präsident Salvador Allende, Cousin ihres Vaters, bei einem durch die USA geförderten Militärputsch gestürzt wurde, begann eine neue Etappe in ihrem Leben und dem ihres Landes. Zwei Jahre später, in denen sie zur Zensur gezwungen wurde und unbemerkt politischen Gegner*innen Unterschlupf anbot, flüchtete sie nach Caracas und begann ein neues Leben. Sie lebte nie wieder in ihrem Heimatland Chile. 17 Jahre lang dauerte die brutale Militärdiktatur des „Präsidenten“ Augusto Pinochet. Die Jahre im Exil fielen Isabel Allende schwer. Trotz eines liebenden Ehemannes und ihrer zwei Kinder konnte sie sich lange nicht so recht wohlfühlen. Erst mit den Jahren gewöhnte sie sich an das reiche, tropische Land und begann Bücher zu schreiben.

In Paula geht es um den Verlust einer geliebten Person, Trauer, Lebensfreude, Liebe, Heimat und die ganz persönliche Lebensgeschichte einer der wichtigsten Autorinnen Chiles. Isabel Allende blickt auf ein erfülltes Leben zurück, in dem ihre Tochter eine der bedeutendsten Personen war und im Laufe des Buches verabschiedet sie sich von ihr. Beim Lesen spürte ich ihren Schmerz, lachte über Anekdoten aus dem Leben, reflektierte mein eigenes Leben und verlor mich in den mystischen Geschichten der Autorin.

Am Ende lernt man die Personen so gut kennen, dass sich der Tod von Paula wie ein eigener Verlust anfühlt. Auch der Abschied von der Autorin und ihrer verrückt-liebenswürdigen Familie fällt am Ende schwer. Man würde am liebsten immer weiter die Lebensgeschichte der Autorin und ihrer Familie lesen und nebenbei die fernen Länder kennenlernen, in denen sie viele Jahre lebte.

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Weisheit des Tages: Literatur kann ein Weg sein, andere Länder und Kulturen ein bisschen besser kennenzulernen. Vielleicht bekommt ja jemand Lust sich mehr durch lateinamerikanische Literatur zu lesen. Ich hätte da einige Empfehlungen!

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