Ein Jahr Südamerika, zwei Semester im Ausland

-377 Tage in Südamerika –
– 158 Tage in Chile –

Heute ist es so weit! Nach über einem Jahr in Südamerika und zwei absolvierten Auslandssemestern in Bogotá und Santiago de Chile, fliege ich heute zurück nach Berlin. Was ich fühle, lässt sich dieses Mal klar definieren, im Gegensatz zu meiner Abreise aus Kolumbien vor drei Jahren. Innerlich brodle ich vor Freude und Aufregung. Ich bin froh, dass ich jetzt zurückkehre.


Weitere Puzzleteil kommen zu meiner Welt hinzu. In einem Jahr habe ich unglaublich viel gelernt. Ich habe angefangen mich für Themen zu interessieren, die vorher weit von meiner Realität entfernt waren. Sowohl in Kolumbien, als auch in Chile habe ich die studentischen Bewegungen miterlebt und darüber berichtet.

Es war ein Jahr mit vielen Auf und Abs. Seit ich 2016 Kolumbien verließ, hatte ich mir in den Kopf gesetzt für längere Zeit an meinen Sehnsuchtsort zurückzukehren. Als ich im Juni 2018 (sehr spontan) Bescheid bekam, ich könne an der Universidad Nacional de Colombia in Bogotá studieren, realisierte ich, dass mein Traum wahr wurde. Sechs Monate verbrachte ich in Kolumbiens Hauptstadt, lernte viele, interessante Menschen kennen, schloss Freundschaften, besuchte regelmäßig  meine kolumbianische Familie und Freunde in Tunja und beschäftigte mich intensiver mit der Politik des Landes. Mit der Idee nach Kolumbien zu kommen, um es ein bisschen für mich abzuschließen, verliebte ich mich mehr ins Land und seine Menschen. Wieder denke ich, ich würde gerne längere Zeit dort leben.
In Chile wollte ich studieren, um ein anderes südamerikanisches Land intensiver kennenzulernen. Mein Gedanke war auch, dass ich mich durch das Kennenlernen eines anderen Landes ein bisschen von Kolumbien „entfernen“ könnte. Wie gut das geklappt hat, könnt ihr in den Blogposts der letzten Wochen lesen. Chile ist nicht mein Ort um glücklich zu sein und das ist okay. Umso mehr Interesse habe ich nun andere südamerikanische Länder intensiver kennenzulernen.
Neben kleinen Reisen in Kolumbien und Chile, reiste ich in dem vergangenen Jahr nach Ecuador, Brasilien, Argentinien und Uruguay. Vor allem Uruguay verzauberte mich! Vielleicht wird es mein nächster Wohnort in Südamerika?


Wie fühlt es sich nun an nach über einem Jahr Südamerika zurück nach Deutschland zu reisen?

Kann ich das mit einem Wort beantworten? Unmöglich.
Zu viel ist passiert. Es fühlt sich an als hätte ich zehn Jahre in einem Jahr gelebt.
Bogotá ist schon so lange her! Es war eine tolle Zeit. Hat sich so gut angefühlt. Der Moment als ich aus dem Flieger stieg und mir der typische Geruch entgegenkam. Kolumbien ist mein Sehnsuchtsort. Ich hatte Bedenken. Vielleicht träumte ich einer Zeit nach, die bereits vergangen war. Vielleicht würde es mir beim zweiten Mal nicht so gut gefallen. Nach kurzer Zeit baute ich mir ein Leben in Bogotá auf und wusste, ich könnte hier noch länger bleiben.
Es war eine aufregende Zeit! Alleine wohnen, wieder Spanisch sprechen, Schritte in die Selbstständigkeit, in die Politik und viele andere Themen. Ich weiß jetzt schon, eines Tages will ich wieder zurück!

Wie ich zu Chile stehe, ist noch sehr frisch und ich habe es oft beschrieben. Chile ist anders. Ich habe gekämpft und so lange die Tage gezählt. Jetzt ist es vorbei und ich bin froh es hinter mir zu lassen.

Immer wieder wurde mir gesagt, wie mutig ich sei, dass ich mich traue, was ich mache. Dabei habe ich das gemacht, was ich wollte und was ich für richtig hielt. Dinge haben sich ergeben und ich bin Wegen gefolgt, die sich mit der Zeit auftaten. Es gab die eine oder andere Komplikation, aber ich habe nicht aufgegeben. Mir macht es Spaß immer Neues kennenzulernen, aus meiner Komfortzone zu kommen und an meine Grenzen zu stoßen, um mich selber besser kennenzulernen. Ich will so viel wie möglich davon sehen und erkunden. Alles ausprobieren und immer Veränderungen erleben – das macht mir Spaß. Immer neu, immer anders gefällt mir. Ich möchte nicht auf der gleichen Stelle laufen, sondern immer weiter und in alle Ecken, um alles zu erkunden. Dinge ausprobieren, die ich schon immer mal machen wollte. An Demos teilnehmen, auf spanisch studieren, spanische Texte schreiben und lesen, Grafikdesign und Journalismus studieren, alleine reisen, ein Leben ohne jemanden zu kennen in einer fremden Stadt aufzubauen, an die eigenen Grenzen kommen, um dann zu bemerken, dass ich stärker bin, als ich gedacht hätte.

Unglaublich. So schnell vergeht die Zeit und gleichzeitig so langsam.
Eine paradoxe Aussage, in der sich alle mal wiederfinden.
Die Zeit fliegt hin und ich fliege mit ihr.
Vor über einem Jahr ging mein Abenteuer los. Vor über einem Jahr stieg ich in Berlin in den Flieger mit einem Gepäckstück und so viel Neugierde, Wünschen und Abenteuerlust. In einem Jahr ist viel passiert. Ich habe so viel gelernt, gesehen, erlebt, viele Menschen kennengelernt, mich von einigen entfernt. Ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrungen machen durfte, dass ich die Möglichkeit hatte gleich in zwei südamerikanischen Ländern zu studieren und so viel über Geschichte, Gesellschaft und Politik in Kolumbien und Chile zu lernen.

377 ereignisreiche Tage. In diesem Moment spüre ich Glück. Ich bin stolz auf mich und das, was ich in der Zeit gelernt und erreicht habe. Ich fühle mich erfüllt und bin unendlich dankbar.
Die letzten Monate waren manchmal hart. Ich bin erleichtert, dass nun die Zeit gekommen ist, zu gehen und Chile hinter mir zu lassen. Ein großes Kapitel geht zu Ende und ich bin bereit für das nächste! Südamerika wird mir fehlen. Über ein Jahr hier und auf einmal ist es ganz weit weg. Ich werde es vermissen Spanisch zu sprechen und die vielfältigen Kulturen, Tänze, Menschen und Musik zu erleben. Die kolumbianische Leichtigkeit lebt noch in mir, aber ich weiß nicht, wie lange ich sie mit nach Deutschland nehmen kann.
Ein bisschen besorgt bin ich zurückzukommen. Deutschland entwickelt sich gerade in eine Richtung, die mir Angst macht. Vielleicht hat sich sehr viel verändert. Vielleicht ist Vieles so geblieben, wie es vor einem Jahr war. Ich werde es herausfinden und euch weiterhin berichten.

Ich gehe mit positiven Gefühlen. Ich weiß, in Berlin warten Menschen auf mich, bei denen ich mich fallen lassen kann. Ich freue mich unendlich alle wiederzusehen (und in meinem eigenen Bett zu schlafen). Das Erlebte werde ich nie vergessen.

Vor einem Jahr

Weisheit des Tages: Nach zwei Jahren, die ich in den letzten vier Jahren in Südamerika lebte, merke ich wie es ein Teil meiner Identität wurde. Sprache, Musik, Kultur und Menschen begleiten mich seit längerer Zeit und ich weiß, dass ein Teil von mir immer Südamerika (insbesondere Kolumbien) vermissen wird. Aber ich werde wiederkommen!

Chile und ich – ein Abschiedsbrief

-156 Tage in Chile –

Wenn mich die Leute, wie so oft, fragen, wie ich dich finde, suche ich nach Worten. Du bist sehr stolz und ich traue mich nicht meine Wahrheit zu sagen. Dein Ansehen im Ausland ist dir sehr wichtig. Besonders in Europa und den USA. Da möchtest du gut stehen.

Wie finde ich dich? Soll ich ehrlich sein? Du hast mich enttäuscht. Ich habe mir dich anders vorgestellt. Dachte du wärest sozialistischer, humaner, gerechter. Dein Ansehen im Ausland ist hoch, gerade im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern. Die höchste Lebensqualität, das höchste BIP und die teuersten Produkte. Der Preis dafür scheint mir hoch. Ich wurde hier anders aufgenommen als in anderen Ländern. Du wolltest mich nicht so recht freundlich empfangen. Deine Leute haben kein Interesse gezeigt, wollten einfach nicht mit mir in den Kontakt kommen. Alle sind in ihrer eigenen Welt mit eigenen Problemen. Ob das wohl nur in deiner Hauptstadt so ist?

Viel zu viele Probleme gab es direkt am Anfang. Organisationschaos an der Universidad de Chile, die mir erst gar nicht schrieb und dann erzählte, ich dürfte nicht das Fach studieren, weswegen ich zu dir gekommen bin. Bürokratischer Kram. Wohnungsprobleme, die mir am Anfang zu schaffen machten. Angekommen bin ich in einem Drecksloch aus dem ich die Flucht ergriffen habe. Danach kam ich in meine Wohnung, in der ich mich wohl fühle und tiefe Freundschaften fand. Jedes Mal, wenn ich nach einer kurzen Reise nach Argentinien zurückkehrte, gab es neue Probleme. Einreiseproblem wegen des Visums, Schneefälle mit geschlossener Grenze und herunterstürzende Berge, die mich daran hinderten, zu dir zu kommen.

Das waren persönliche Herausforderungen, die mir gestellt wurden. Ich habe nicht aufgegeben, sondern es weiterhin mit dir versucht, wollte dich kennenlernen, aber du hast mich schockiert. Ich wusste nicht, dass in dir der Neoliberalismus geboren ist. Bis heute bist du das neoliberalste Land der Welt und das gefällt mir nicht. Die USA nutzte in den 70ern deine politisch instablie Situation aus und schickte die Chicago Boys zu dir, die ein neoliberales, ausbeutendes Wirtschaftssystem etablierten, das bis heute gilt. Ich dachte deine sozialistische Präsidentin Michelle Bachelet, die zwei Amtsperioden regierte, hätte einiges daran geändert, aber das stimmt nicht. Alles ist privatisiert. Gesundheitssystem, Agrarfläche und Bildung. Wer kein Geld hat, wird auch in der Zukunft kein Geld haben. Ist es das, was du willst? Ohne Geld können deine Kinder niemals auf eine Schule, die ihnen eine Zukunftsperspektive gibt. Nur teure Privatschulen ermöglichen das. Öffentliche Universitäten wurden auch privatisiert und erhalten kaum noch staatliche Gelder. Alles muss von deinen Bürger*innen gezahlt werden. Alles wurde während der Militärdiktatur privatisiert. Und wer profitiert davon? Ich mag keine Ungerechtigkeit. Ich mag es nicht, wenn Reiche noch reicher werden und Arme noch ärmer. Wie soll ich dich dann mögen?

Als ich mich mit deiner Vergangenheit beschäftigte, merkte ich, ein grausames Kapitel ist noch nicht abgeschlossen. Wahrscheinlich ist das der Teil, der mich am meisten an dir stört. In vielen Gesprächen und Diskussionen, Büchern und Dokumentarfilmen, dem „Museum für Menschenrechte und Erinnerung“ und der Universität lernte ich über deine Vergangenheit. In einem Interview, das ich führte, sagte mir ein Dozent der Universidad de Chile, „alle Länder haben Ereignisse ihrer Vergangenheit, die Schande generieren. Die chilenische Verfassung ist Teil dieser Schande“.

Von 1970 bis 1973 regierte dich der vom Volk gewählte, sozialistische Doktor Salvador Allende. Firmen und Kupferminen im Norden des Landes wurden enteignet, Bildung wurde allen unter gleichen Bedingungen zugänglich gemacht und die Agrarreform fand statt. Bäuer*innen erhielten das erste Mal einen Lohn, der keine Kekse, sondern Geld war. Allende war ein Mann, der Gutes wollte, gegen den aber viel gehetzt wurde. Ökonomisch ging es dir in der Zeit nicht sehr gut. Die USA mischte sich ein und half dem Militär bei den Vorbereitungen eines Putsches. Erinnerst du dich an den 11. September 1973? Vom Militär wurde der Regierungspalast bombadiert, Menschen, die in linken Parteien aktiv waren, wurden verschleppt, auf die Straßen gezerrt, ermordet und im Estadio Nacional mehrere Tage festgenommen. Allende, der von den Putschisten umzingelt war, beging Suizid, weil es keinen Ausweg gab. In seiner letzten Rede an das Volk, die von der letzten, nicht von den Putschisten eingenommenen Radiostation Magallanes live übertragen wurde, sagte er, er würde im Namen des Volkes sterben. „In eine historische Situation gestellt, werde ich meine Loyalität gegenüber dem Volk mit meinem Leben bezahlen.“ Was auf diesen Tag folgte, war eine 17 Jahre andauernde Militärdiktatur unter dem Diktator Augusto Pinochet. In den 17 Jahren wurden Tausende Menschen, politische Gegner*innen, Mitglieder der sozialistischen und kommunistischen Parteien und Andersdenkende verschleppt, gefoltert und ermordet. Einige von ihnen sind bis heute verschwunden und ihre Familien suchen sie noch. Fast zwei Jahrzehnte wurdest du von einer rechten, repressiven Macht regiert. Allendes Änderungen wurden rückgängig gemacht, staatliche Eigentümer wurden privatisiert. 1980 wurde nach einem Volksentscheid eine neue Verfassung geschrieben unter dem Diktator. Was mich am meisten schockierte: sie gilt mit Veränderungen noch heute. Wie kann es sein, dass eine Verfassung, die unter einem Diktator, der mehrere Tausende Menschen ermorden und foltern ließ, heute noch aktuell ist? Wie kann mit der Vergangenheit abgeschlossen werden, wenn sie noch nicht vergangen ist?

Ich habe versucht Antworten auf diese Fragen zu finden, aber es gelang mir nicht. Ich merkte in den letzten Monaten, dass deine Gesellschaft noch immer gespalten ist. Da sind jene, die das Geschehene verharmlosen, runterspielen oder sogar befürworten, die sich Pinochet und jenes Regime zurückwünschen. Und da sind die anderen, deren Familien auseinandergerissen, ins Exil getrieben oder ermordet wurden. Du bist gespalten. Noch heute, nach fast 30 Jahren der „Demokratie“ wurde mit dem düsteren Kapitel deiner Vergangenheit nicht abgeschlossen. Du hast nicht versucht, Geschehenes zu behandeln und dich damit auseinanderzusetzen. „Un pueblo sin memoria es un pueblo sin futuro“ (Ein Land ohne Erinnerung ist ein Land ohne Zukunft) so steht es an den groß inszenierten Denkmälern der Opfer der Militärdiktatur. Davon sah ich aber wenig in der Gesellschaft.

Überall, wohin ich gehe, sehe ich deine Flaggen und frage mich, warum die Leute sie stolz hinaustragen. Weiß-rot und auf blauem Hintergrund ein weißer Stern. Mich erinnert sie an die Flagge der USA und ich spüre sie überall, hinter den großen Supermarktketten, den noch größeren Malls. Du bist stolz auf deine Malls. Das weiß ich. Mir gefallen sie nicht. Ich möchte nicht mehr sinnlos konsumieren. Ich habe mich davon abgewendet und mich kannst du nicht davon überzeugen. Konsum wird gefördert und scheint bei dir ein Zeichen von Wohlstand zu sein.

Vielleicht bin ich zu hart zu dir. Aber das ist meine ehrliche Meinung über dich. Ich kann mein kritisches Denken nicht ausschalten. Ich weiß, dass du sehr vielfältig bist – zumindest geografisch. Deine Form, die sich entlang des Pazifiks erstreckt, sieht auf der Karte witzig aus. Im Norden siehst du ganz anders aus, als im Süden. Kilometerweite Wüsten mit kakteenbewachsener Flora und dem klarsten Himmel auf der ganzen Welt, südlicher grüne, seenreiche Landschaften, die den roten Sonnenuntergang widerspiegeln und ganz im Süden gewaltige Eisgletscher in einem zarten hellblau. Ich bin dankbar, dass ich so viel von deiner Natur sehen konnte. Sie gefällt mir. Aber ich verstehe nicht, warum auch sie privatisiert und ökonomisch ausgebeutet wird. Warum hat dein jetziger Präsident Sebastian Pinera ein Drittel der mystischen Insel Chiloé aufgekauft (und privatisiert)? Die Begründung, er schütze somit die Natur vor den zerstörenden Mapuches (Chiles Indigene), kaufe ich nicht ab. Ihnen wird das Land weggenommen, auf dem sie Jahrhunderte lang lebten und ihre Traditionen pflegten? Warum behandelst du sie so schlecht? Warum werden sie unterdrückt, ausgebeutet und diskriminiert? Ein Freund sagte mir, dass 94% aller Chilen*innen Mapucheblut haben. Warum werden die Mapuches nicht von dir unterstützt, wenn sie doch ein so wichtiger und großer Teil deiner Identität und Kultur sind?

Es gibt vieles, das mir aufgefallen ist. Ich habe versucht dich besser kennenzulernen. In dem halben Jahr, das ich mit dir verbrachte, konnte ich nur an der Oberfläche kratzen. Du bist schön zum Reisen, aber ich möchte nicht in dir leben. Es gibt zu vieles, das ich nicht verstehe, kritisiere und ablehne.

Du hast mir auf viele Möglichkeiten eröffnet. Durch dich konnte ich persönliche Erfolge erzielen. Du bietest mir Themen an, über die ich berichten kann. Ich bin dankbar, dass ich Text veröffentlichen konnte. Im lowerclassmagazine, bei amerika21 und der Taz. Das hat mir gezeigt, vielleicht ist der Weg, den ich gehe doch der richtige. Ich weiß, dass du ein Teil meines Weges warst. Ich musste dich kennenlernen, um mehr über meine eigenen Wertvorstellungen und Wünsche kennenzulernen. Durch dich habe ich viel gelernt. Das kann ich nicht leugnen. Aber es hat nicht immer Spaß gemacht.

Wenn sie mich fragen, ob du mir gefällst, muss ich das mit Nein beantworten. Ich habe meine Gründe und sie erscheinen mir plausibel. Wenn sie mich fragen, ob ich es bereue zu dir gegangen zu sein, dann muss ich das mit Nein beantworten. Ich bin froh, dass ich dich kennenlernte und so viel gelernt habe. Ich habe mich durchgebissen, auch wenn du es mir nicht leicht gemacht hast. Und ich bin auch froh, wenn ich mich von dir verabschieden kann.

Mein erster Sonnenaufgang in Chile

Bogotá, eine Liebe

– 1 Tag nach der Abreise –

Das Schwerste zum Schluss: Abschied nehmen!
Nie hätte ich gedacht, dass 190 Tage so schnell vergehen könnten. Ich erinnere mich noch genau, als die Zusage der Universidad Nacional de Colombia Mitte Juni kam. Alles ging ganz schnell und nach einem Monat saß ich schon im Flieger nach Bogotá, voller Erwartungen, Vorstellungen und Träume.

Damals dachte ich, es wäre gewagt mit so vielen Erwartungen in das Auslandssemester zu starten. Nach einem Jahr in Kolumbien und weiteren Besuchen zwischendurch, war es für mich nicht ein komplett unvorhersehbares Abenteuer. Ich wusste schon ein wenig, was mich erwarten würde, kannte Kolumbianer*innen, die mir helfen würden. Es war ein bisschen wie nachhause kommen.

Bogotá, hat mir nie gefallen. Von Tunja aus war ich einige Male in der chaotischen Millionenstadt und ich konnte ihr nichts abgewinnen. Zu grau, zu viele Menschen, zu unsicher. Die ersten Tage dachte ich, ich würde mich nie sicher und wohl fühlen können. Gerade in der TransMilenio fühlte ich mich fremd, ausländlisch, angreifbar.
Schneller als gedacht, fing ich dann doch an die Stadt zu schätzen.
Das erste Mal in meinem Leben fühlte ich mich an einer Universität wohl und verbrachte selbst vor und nach den Klassen Zeit dort. Die Atmosphäre an der Nacional ist einzigartig. So viel passiert hinter den Zäunen der Nacho. Jedes Mal, wenn ich das Gelände betratt, stieg ich in eine andere Welt. Vor jedem Gebäude versammeln sich Menschen, die in kleinen Gruppen zusammenstehen und reden. Direkt wenn man die Uni über den Eingang der Calle 26 betritt, ist das erste Gebäude zur rechten Diseno Gráfico. Auch wenn die Räume kalt und kaputt wirken und das Dach herunterkommt, hier habe ich gerne Klassen besucht!
Weiter geradeaus laufe ich direkt auf die Plaza Che zu. Zur linken sehe ich das Wandgemälde, an dem ich mitgemalt habe. Dort verbrachte ich angeregte Diskussionen mit meinen Freunden der Politikwissenschaften und Jura.
Auf der Plaza Che betrachtete ich gerne das Treiben. Zwischen den vielen Essensständen und chazas (kleine Läden, wo Studierende Süßigkeiten und Zigaretten verkaufen) wurden hier die marchas vorbereitet. Hier versammelte sich die Masse, um dann mit gesammelter Kraft ins Regierungsviertel oder andere Orte der Stadt zu marschieren.

 

 

 

Es war ein besonderes Semester! In einigen Jahren werden die Studierenden noch davon reden. Der Streik dauerte lange und doch ist noch ungewiss, ob er seinen Zweck erfüllt hat und auf lange Sicht das Denken der kolumbianischen Bildung verändern kann.
Ich habe zwar nur fünf Wochen lang wirklich studiert, aber die Erfahrungen, die ich danach sammelte, waren auf jeden Fall einzigartig! Das wäre mir an einer Uni in Deutschland wohl nie passiert. Ich habe viel gelernt! Über Politik, über Bildung, über Kolumbien, über Deutschland, über mich!

Auf dem Weg zum Eingang der Calle 45 höre ich schon von Weitem die Musikstudierenden. Täglich üben sie auf den verschiedensten Instrumenten, mal mehr, mal weniger gut. Vor allem das Saxofon hört man von der Distanz aus. Rechts ist das bunt bemalte Museum der Uni. Alle paar Wochen wird die Ausstellung geändert. Ich bin gerne hingegangen, wenn es etwas Neues gab.
Überall riecht es nach frisch gemähtem Rasen und Gras. Unter den schattenspendenden Bäumen liegen kuschelnde Pärchen und Freundesgruppen essen das von zuhause mitgebrachte Essen aus Büchsen. Drum herum sind Gruppen von Menschen, die jonglieren, balancieren, tanzen, Sportübungen und Yoga praktizieren, rappen oder sonstige Arten von Kursen veranstalten.

 

 

Die UNAL ist für mich ein besonderer Ort! Auf dem Weg zum Flughafen war es der erste Ort, an dem ich anfing zu weinen. Jeden Tag, den ich zur Uni ging, lief ich über die große Brücke der 26ten und genoß den schönen Anblick Bogotás. Das war immer der Moment, als ich dachte: ja, hier bin ich glücklich! Eine bunte, chaotische Großstadt, die im Hintergrund von hohen Bergen umsäumt wird. Ganz oben an der Spitze der Berge sieht man el monserrate.

 

 

Ich werde Vieles vermissen aus Bogotá!
Die Uni, tolle Menschen, die ich während der Zeit kennenlernen durfte, interessante Unterhaltungen über Politik, menschliche Beziehungen und kulturelle Unterschiede, Kolumbiens Vielfalt an Musik und Tänzen, die ausgelassenen Partys im Theatron, lateinamerikas größtem Schwulenclub, und anderen Clubs oder auch spontane Unternehmungen mit Freunden, die ciclovía an den Sonntagen, an denen die Stadt voll mit fahrrad- und rollschuhfahrenden Menschen ist, die bunten Märkte, die eine Vielfalt an frischem Obst und Gemüse aus dem campo anbieten, der mercado de las pulgas an den Sonntagen in der Séptima, auf dem es nichts gibt, das es nicht gibt, eine schöne Aussicht auf die Stadt, ob vom monserrate oder Torre de Colpatria aus, bunte Graffitis und Häuser mit viel Geschichte in der Candelaria, Picknicks in einem der vielen grünen Parks, wie dem Parque Simon Bolívar, die vielen Bars und Restaurants in der Calle 85, internationale Restaurants im barrio Macarena, kleine Leckereien aus den zahlreichen panaderías (Bäckerei) und tiendas (Laden), die es unheimlich günstig gibt, ja, vielleicht sogar das typisch kolumbianische Essen und die überfüllten TransMilenios werden mir fehlen.

 

 

Bogotá sprüht vor Leben! An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Nie werde ich die Stadt komplett gesehen haben. Ständig gibt es Neues zu erleben und zu sehen. Bogotá ist reich an Kultur und Veranstaltungen. Zu kurz war die Zeit, um alles zu sehen. Trotzdem weiß ich ganz genau: ich liebe diese Stadt! Ich habe mich noch nicht sattgelebt an Bogotá. Ich weiß jetzt schon, ich will wiederkommen.

Der Abschied von Bogotá fühlt sich an wie ein Schlag ins Gesicht. Über sechs Monate habe ich mir ein Leben aufgebaut, eine Routine (trotz Streik) und Freundschaften entwickelt. Jetzt werde ich aus dem Leben herausgezerrt und weiß nicht, wann ich wiederzurückkommen kann.
Geplant hatte ich, dieses Semester zu nutzen, um mich ein bisschen von Kolumbien zu verabschieden. Stattdessen habe ich mich mehr verliebt! Für immer wird es ein zweites Zuhause für mich sein! So viele Dinge gibt es, die ich an Land und Leuten schätze.

Ich bin dankbar! Dankbar für all die Erfahrungen die ich sammeln konnte, alle wunderschönen Orte, die ich kennenlernte und vor allem dankbar für die Menschen, die mich während der Zeit begleitet haben und mich zu der Person gemacht haben, die ich heute bin.

¡Gracias Colombia!
¡Gracias por todo!

Weisheit des Tages: ein Teil von mir wird immer in Kolumbien sein!

Richtiger Start ins Bogotáner Auslandssemester

– 14 Tage nach der Ankunft –

Muchos Saludos desde Bogotá!
Es ist wieder so weit, ich bin zurück in Kolumbien und es könnte nicht besser laufen 🙂
Vor genau zwei Wochen bin ich angekommen und seitdem ist einiges passiert.

Heute wollte ich ein bisschen über meine Reisevorbereitungen und den richtigen Start ins Auslandssemester in Bogotá schreiben. Vielleicht findet die eine oder der andere ein paar hilfreiche Tipps für eine kommende Reise.

Ich habe mich vor über einem Jahr an meiner Uni für ein Auslandssemester in Bogotá beworben. Für mich stand seit meinem Jahr in Tunja fest, dass ich nochmal für längere Zeit in Kolumbien leben möchte und welche Stadt ist dafür besser geeignet als die vielseitige, chaotische Hauptstadt? Die Universidad Nacional de Colombia, für die ich mich entschieden habe, da es eine Kooperation zwischen meiner Uni und dieser gab, hat insgesamt 9 sedes, unter anderem in Medellín, Leticia und auf San Andres. Über die UNAL, wie sie hier genannt wird, erfahrt ihr in einem anderen Blogeintrag mehr.
Für die Bewerbung brauchte ich einige Dokumente, Empfehlungsschreiben einer dozierenden Person und auch ein Sprachzertifikat. Mit dem Nominierungsschreiben meiner Uni konnte ich mich dann ab Februar bei der Universidad Nacional de Colombia bewerben. Auch da brauchte ich wieder allerhand Dokumente, aber die Bewerbung war online schnell abgeschickt.
Eine Zusage der Uni in Bogotá erhielt ich erst Ende Juni. Ich dachte schon, das ich nicht für ein Auslandssemester zugelassen worden wäre, aber es hat sich bei mir einfach alles ein bisschen hingezogen. Das ist abhängig von der facultad bei der man ist, in meinem Fall facultad de artes.
Umso aufregender und stressiger war dann die letzte Zeit in Deutschland. Am 25. Juni buchte ich meinen Flug für den 25. Juli. Für mich ein schönes Zeichen, da ich am 25. Juni drei Jahre zuvor erfuhr, dass ich einen Freiwilligendienst in Tunja absolvieren würde.

Für die letzte Zeit stand dann einiges an:

  • Semester in Deutschland fertig machen (letzte Projekte, Vorträge, Hausarbeiten abgeben)
  • Flug buchen
  • Visum beantragen
  • Bewerbung für Stipendium
  • Bewerbung für das Auslandssemester in Chile
  • Urlaubssemester beantragen
  • Arbeit kündigen
  • wichtige Dokumente digitalisieren und abspeichern (Reisepass, Impfausweis, Leistungsscheine, Acceptance Letter der Uni, …)
  • Packliste anfertigen, Reiserucksack kaufen, letzte Besorgungen, Termin mit der Hausärztin um Medikamentenvorrat aufzustocken
  • Bank- und Finanzsachen „ordentlich hinterlassen“ (wichtig für mich war eine iTan für Überweisungen, da ich mein deutsches Handy in Südamerika nicht benutze)
  • Versicherungen (Auslands-, Kranken-, Haftpflichversicherung)
  • Wohnungssuche in Bogotá
  • und natürlich Zeit mit Famile und Freunden verbringen

Visum
Für 90 Tage darf man als Tourist*in ohne Visum nach Kolumbien einreisen. Wenn man sich dann entscheidet länger zu bleiben, besteht die Möglichkeit, den Aufenthalt um weitere 90 Tage zu verlängern. Nach 180 Tagen muss man aus Kolumbien ausreisen. Ich habe mich entschieden bei der Botschaft in Berlin ein Visum zu beantragen, da ich noch nicht genau weiß, bis wann ich in Kolumbien bleibe. Dieses gilt für ein Jahr. Für Kolumbien darf man das Visum erst frühstens zwei Monate vor Einreise beantragen. Das habe ich beim letzten Mal nicht beachtet und musste dann die Bearbeitungsgebühr doppelt bezahlen.
Insgesamt hat mich das Studierendenvisum ca. 60€ gekostet. Für das Visum brauchte ich den Nachweis über das Auslandssemester, Reisepass und einen Nachweis über finanzielle Sicherheit.
Für eine längere Zeit im Ausland empfehle ich sich bei ELEFAND einzutragen. Das ist die Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland des Auswärten Amtes. In Krisen- und Notfallsituationen wird die Familie schnell informiert und das Auswärtige Amt kennt (möglichst) den letzten Wohn- und Aufenthaltsort.

Packliste
Zum Packen kommt nochmal ein extra Beitrag. Mir war dieses Mal wichtig, dass ich so minimalistisch wie möglich packe und nur das Nötigste mitnehme. Während meines Freiwilligendienstes hatte ich einen Koffer, einen Reiserucksack und eine große Handtasche mit. Diesmal beschränkte ich mich auf einen Reiserucksack mit 65 Litern und einen kleinen Rucksack als Handgepäck. Das war mir wichtig, da ich flexibel sein und reisen möchte. Ein Koffer mit Rollen würde mich da ziemlich einschränken.

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Mein kleiner, roter Käfer

Wohnungssuche
Sobald ich wusste, dass ich von der UNAL angenommen war, habe ich alle möglichen Leute, die ich in Bogotá kenne, angeschrieben und gefragt, ob sie von freien Wohnungen und Zimmern gehört haben. Viele haben mir Angebote geschickt oder weitere Kontakte zu Leuten, die Leute kennen, die jemanden kennen.
Ich kann jeder und jedem empfehlen, die eine Wohnung in Bogotá suchen, der Facebook-Gruppe „Bogotá Short Term Rental“ beizutreten. Dort kommen täglich neue Angebote mit freien Zimmern und apartaestudios (kleinen Wohnungen für Studierende). Es ist selbstverständlich, aber bevor man etwas fest macht, sollte man sich die Wohnung unbedingt vorher ansehen. In der Gruppe gibt es auch einige unseriöise Angebote.
Als ich am Flughafen ankam, wurde ich von der Familie einer guten kolumbianischen Freundin abgeholt, die gerade in Karlsruhe wohnt. Die ersten Tage bin ich dort untergekommen und sie haben mir sehr bei der Wohnungssuche geholfen. Zwei Tage lang sind wir die Angebote aus der Facebookgruppe abgelaufen, die anderen Angebote, die ich hatte und es lohnt sich auch durch die Gegend in der Uni zu laufen. Überall hängen Schilder mit Telefonnummern, die noch Zimmer zu vermieten haben. Ich muss ehrlich sagen, dass ich ziemlich schlimme Unterkünfte gesehen habe und schon angefangen habe, mir Sorgen zu machen, dass ich keine schöne Wohnung finden würde. Bäder, die man sich zu fünft teilt, die Küche zu zehnt (Hostelfeeling pur!) oder ein altes, muffiges Haus mit großen Stoffteddybären in jeder Ecke (gruselig!). Es hat ein wenig gedauert, aber dann habe ich die perfekte Wohnung gefunden!
Ich wohne fünf Minuten zu Fuß von der Uni entfernt (nach 2 Jahren Ost-Berlin nach Potsdam pendeln, kann ich es immer noch nicht glauben!) in einem großen conjunto (Wohnkomplex aus mehreren Hochhäusern) mit Park, Fußballfeld, Schule, Theater, Kirche und kleinen Läden. Die Wohnung ist sehr schön eingerichtet und ich teile sie mir mit zwei Mitbewohnern. Mein Mitbewohner ist Filmemacher und hat viele Kameras (die ich auch mal benutzen darf 🙂 ) und meine Mitbewohnerin ist Schmuckdesignerin. Beide sind muy relajados und super lieb! Die Umgebung ist sehr sicher und um mich rum gibt es viele Läden, Studierende und sogar das eine oder andere vegetarische Restaurant.

Abschied von Familie und Freunden
Ein Jahr ist eine lange Zeit. Und gleichzeitig doch nicht. Je näher die Reise anrückt, desto mehr gerät man in das emotionale Chaos. Vorfreude, eventuelle Zweifel, Abschiedsschmerzen. Ein großes Hin und Her.
Dieses Mal fiel mir der Abschied nicht so schwer, wie 2015 als ich nach Kolumbien ging. Dieses Mal wusste ich ein wenig, was mich erwarten würde. Kolumbien ist ein Land, in dem ich schon einige Male war und dessen Sprache ich spreche. Am Flughafen von Bogotá kenne ich mich (nach einigen Malheuren) gut aus und ich weiß, dass es viele Leute gibt, die mir im Notfall helfen würden und die mir wichtig sind. Bogotá ist eine Stadt, in der ich das ein oder andere Wochenende verbracht habe und in der ich mich schon ein wenig orientieren kann. Ich wusste, welche kolumbianische Lebensfreude und Offenheit mich erwarten würde!
Es war für mich auch leichter zu gehen, da ich weiß, dass die Menschen, die mir wichtig sind und denen ich wichtig bin, das ganze Jahr über für mich da sein werden. Sobald ich wiederkomme, ist alles so wie vorher, denn mein Zuhause bleibt immer mein Zuhause, egal, wie lange ich weg bin.

Was in der Einführungswoche und den ersten Tagen in Bogotá und Tunja so passiert ist, berichte ich demnächst.
Nächsten Montag geht die Uni so richtig los und ich bin schon sehr gespannt!

Weisheit des Tages: die Entscheidung in Bogotá zu studieren, fühlt sich nach wie vor richtig an und ich bin froh, hier zu sein!

Hasta muy pronto, querida Colombia <3

– 284 Tage nach der Ankunft –

Ach man! Mir kommt es so vor, als wäre es noch gar nicht so lange her, dass ich diesen Blog erstellt habe und in ein unbekanntes Land gekommen bin.
In einer Stunde fahre ich mit meinen Nachbarn und meiner Gastmutter zum Flughafen und morgen bin ich dann schon wieder in Deutschland.

Ich kann nur sagen, ich habe schon lange nicht mehr so viel geweint. Es ist schwer, wenn man Menschen zurücklassen muss, die einem so wichtig geworden sind. Wie kann mir jemand nach so kurzer Zeit auch so sehr ans Herz wachsen? 😦

Ich bin auf jeden Fall sehr froh, dass ich diese lieben Menschen kennenlernen durfte. Ich habe mich sehr geliebt gefühlt und weiß, dass ich immer zurückkommen darf.

Am Samstag hat meine Gastfamilie eine Überraschungsparty für mich gemacht und meine ganze kolumbianische Familie, einige Nachbarn und Martin und Natalia waren da. Es wurde ein bisschen geweint, Reden gehalten und ich habe süße Geschenke bekommen.
Auch wenn es ein wenig schwierig war, meine fünf Kuscheltiere, die ich über das Jahr geschenkt bekommen habe, zu verstauen.

Den gestrigen Abend habe ich mit meiner Familie verbracht. Ich habe ihnen ein kleines Geschenk gemacht, ein Buch mit Rezepten, Bildern, Texten und allem Möglichem. Genau die gleiche Idee hatte meine Familie anscheinend auch und ich habe ein kleines Buch bekommen, dass ich mir aber erst im Flieger angucke. Da haben alle, die mir hier wichtig geworden sind, reingeschrieben!

Der Abschied fällt mir sehr schwer und wird mir von allen schwer gemacht. Aber ich weiß, dass ich bald zurückkommen werde! So schnell, wie es geht.

Kolumbien wird jetzt immer ein Teil von mir sein. Und hier habe ich 10 Anzeichen dafür, dass man kolumbianisch ist:

  1. Man hat ein kolumbianisches Fußballtrikot und zieht es immer, wirklich immer zu jedem Spiel an. Daran erkennt man, wann Kolumbien spielt.
  2. Man isst jeden Tag Reis. Egal wieviel… Hauptsache Reis, denn das ist einfach so und gehört zum Essen dazu.
  3. Es ist nicht schlimm mal im Schlafanzug oder mit Hausschuhen auf die Straße zu gehen oder zum nächsten Supermarkt. Auch wenn es der flauschige Kuh-Pyjama ist 😀
  4. Ein cafe ist kein schwarzer Kaffee, wenn man ihn im Café bestellt. Es ist Milchkaffee. Tinto ist der wahre Kaffee.
  5. Man begrüßt jeden, den man meinetwegen auch nur einmal gesehen hat. Den kolumbianischen Smalltalk habe ich mittlerweile auch drauf.
  6. Straßenhunde beachtet man gar nicht mehr. Die sind ja überall und denen geht es nicht immer schlecht.
  7. Wenn man auf der Toilette ist, sucht man automatisch den Mülleimer. Wo soll auch sonst das Papier entsorgt werden?
  8. Wenn man alles als chévere bezeichnet, ist man schon halb Kolumbianer 😀
  9. Man tanzt bei jeder Gelegenheit, denn das Leben ist schön und man soll es mit vollen Zügen genießen!
  10. Es ist nicht schlimm, wenn man mal ein bisschen zu spät kommt, denn man nimmt alles gelassener. Und glaubt mir, wenn man entspannt durch das Leben geht, fühlt sich alles viel schöner an.

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Yo soy boyacense

Das war also mein Freiwilligendienst in Kolumbien. Gerade gehen mir so viele Gedanken durch den Kopf und ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll, was ich alles fühle.
Ich kann nur sagen (auch wenn das sehr klischeehaft klingt): nach Kolumbien gehen war die beste Entscheidung, die ich gemacht habe!

Weisheit des Tages: ich werde Kolumbien und die Menschen sehr vermissen, aber ich weiß, dass es nicht mein letztes Mal in diesem wunderschönen Land ist!

Hasta muy pronto, Colombia!